Santnerspitze

Die Santnerspitze – damals „Großer Schlernzacken“

Großer Schlernzacken – so hieß die heute nach dem Erstbesteiger benannte Santnerspitze. Zusammen mit der Euringerspitze gibt die Santnerspitze dem Schlern – dem Aushängeschild der Seiser Alm und des Schlerngebietes – sein unverwechselbares Aussehen. Die Santnerspitze ist auch jener Berg, der über die Orte Seis und Kastelruth ragt und auf den meisten Bildern der heute beliebten Urlaubsorte zu sehen ist.

Die Santnerspitze – auf italienisch „Punta Santner“ – hat eine Höhe von 2.414 Metern.

Der Berg, der als unbezwingbar galt

Bei den Bewohnern des Schlerngebietes galt der Große Schlernzacken als unbezwingbar. Man vertrat die Auffassung, dass – selbst wenn man mehrere tausend Gulden für die Anbringung von Leitern, Eisenstiften, Klammern und ähnlichem aufgebracht hätte – die Santnerspitze nicht bezwungen werden konnte.

Johann Santner sah in der Auffassung und der Einstellung der Einheimischen darin anscheinend das Besondere, den Berg dennoch zu besteigen. So machte er sich am 02.07.1880 auf und begann in den frühen Morgenstunden den Berg zu besteigen. Und es gelang ihm, bis an die Spitze des Berges – bzw. des Felsenstückes von kolossaler Dimension, wie er es selbst nannte – zu steigen.

Seitdem Johann Santner den Berg bezwungen hatte, wurde dieser nach ihm, also nach seinem Erstbesteiger, benannt. Fortan wird der riesige spitze Felsblock nicht mehr Großer Schlernzacken, sondern Santner bzw. Santnerspitze genannt.

Die Besteigung der Santnerspitze sollte damals der Beginn einer neuen Phase des Dolomitenkletterns sein. Denn seit der Erstbesteigung der Santner stand nicht die Erstbesteigung selbst im Vordergrund, sondern der sportliche Reiz, die besonders lockende Felsgestalt zu bezwingen.

Um die Schwierigkeit der Erstbesteigung von Johann Santner zu verdeutlichen, sei noch angemerkt, dass die Kletterroute heute einen Schwierigkeitsgrad von III aufweist. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Kletterausstattung von damals in keinster Weise mit der heutigen zu vergleichen ist.

Johann Santner

Johann Santner gab also dem imposanten Berg, zu dessen Fuß das Schlerngebiet liegt, seinen Namen. Johann Santner kam allerdings nicht aus dem Schlerngebiet. Er wurde in Defreggen geboren und wohnte über viele Jahre in Bozen, der heutigen Landeshauptstadt Südtirols.

In das Schlerngebiet kam er als Sommerfrischler, wo er gleich nach kurzer Zeit mit der Einstellung der Einheimischen, nämlich dass der Schlernzacken als absolut unersteiglich gilt, konfrontiert wurde.

Heute ist in Seis in der Nähe des Dorfplatzes ein Denkmal für Johann Santner, mit dem an seine Erstbesteigung erinnert wird, aufgestellt. Dieses Denkmal steht an der Straße, die von der Verbindungsstraße Völs am Schlern – Kastelruth zum Dorfplatz führt.

Die Santnerspitze als Sonnenuhr

Nicht nur, dass die Santnerspitze heute das Aushängeschild von Seis am Schlern ist und das Panorama des heute so beliebten Urlaubsortes maßgebend prägt. Die Santnerspitze zogen die Menschen früher sogar als Uhr bzw. Zeitmesser heran. Am Schatten, den die Santner auf das Gebiet von Seis und Umgebung warf, oder am Stand der Sonne über der Santnerspitze konnte man einerseits die Tageszeit bestimmen. Andererseits wurden danach sogar die Örtlichkeiten gewählt, an denen damals die Höfe errichtet wurden.

Den Schatten, den die Santnerspitze auf die Umgebung von Seis am Schlern wirft, ist vor allem für die Menschen von Bedeutung, die im Schattenbereich der Santner leben. Dies ist das Gebiet des Hauensteiner Waldes. Die Menschen, die hingegen am Sonnenhang von Seis leben – also in St. Valentin, Rungg und Gschlier – ist die Route der Sonne über die Spitze der Santner hinweg bezüglich der Zeitmessung von Bedeutung.

Prädestiniertes Beispiel, dass der Lauf der Sonne die Errichtungsörtlichkeit der Höfe mitbestimmt hat, ist der Ausserlanziner Hof in Telfen. Am kürzesten Tag des Jahres sinkt die Sonne bis auf die Santnerspitze herab. Die Stube des Hofes hat damit – auch an den kürzesten Tagen – noch Sonne. Der Marmsoler Hof und der Formsuner Hof wurden in einer Nord-Süd-Ausrichtung in einer künstlich angelegten Mulde erbaut. Auch am Tag der Wintersonnwende kann man die Sonne noch über der Santnerspitze sehen. Damit ist selbst am kürzesten Tag des Jahres an diesen Höfen durchgehend die Sonne zu sehen, ohne dass die Santnerspitze die Sicht auf die Sonne nimmt. Bereits die Namen der Höfe, welche die Wortsilben „sun“ und „sol“ (also Sonne) enthalten, zeigen, dass die Sonne maßgeblich zu deren Bebauungsörtlichkeit beigetragen hat.

Nicht nur im Südtiroler Schlerngebiet nutzten bzw. nutzen die Menschen die Berge als Zeitmesser. So haben beispielsweise einige Gipfel in den Sextener Dolomiten entsprechend des Sonnenstandes sogar ihren Namen erhalten. Als Beispiele können hier der Elferkofel (Elfer), der Zwölferkofel, der Einserkofel (Einser) oder auch die Mittagsspitze genannt werden.

Großer Felssturz am 11.08.2011

Am 11.08.2011 ereigneten sich mehrere Felsstürze am Santner, im Rahmen derer insgesamt etwa 2.000 Kubikmeter Fels ins Tal stürzten. Der erste Felssturz ereignete sich bereits in den Morgenstunden gegen 08:00 Uhr. Nach kleineren Steinschlägen folgten gegen 10:30 Uhr und gegen 12.30 Uhr weitere Felsstürze. Verletzte gab es Gott sei Dank nicht. Selbst fünf Bergsteiger, die sich zur Zeit der Steinschläge auf dem Klettersteig zum Gipfel befunden hatten, konnten (bzw. mussten) – nach Rücksprache mit der Bergrettung Seis – ihren Weg fortsetzen und konnten vom Gipfel mit dem Rettungshubschrauber Aiut Alpin abgeholt und wieder sicher ins Tal transportiert werden. Weitere Informationen hierzu können unter: Felssturz am Santner nachgelesen werden.

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