Grödner Bahnweg

Die damalige Grödner Bahn und die heutige Fußweg-Trasse

Das Grödner Tal in Südtirol hatte einst mit der Grödner Bahn eine eigne Eisenbahnlinie, welche von Klausen im Eisacktal über die Orte St. Ulrich, St. Christina bis nach Wolkenstein (Ortsteil Plan) führte.

Auch wenn das „Grödner Bahnl“ – wie die Grödner Bahn von den Einheimischen meist genannt wird – schon im Jahr 1960 ihre letzte Fahrt hatte, ist sie bis heute nicht in Vergessenheit geraten. Ganz im Gegenteil: Ein Teil der damaligen Bahntrasse wurde als Panoramaweg angelegt, bei dem im Rahmen eines Spaziergangs interessante Informationen über die Geschichte der Bahn auf einigen Schautafeln gegeben werden.

Die 44jährige Geschichte der Grödner Bahn

Schon zur Erbauungszeit der Grödner Bahn wurde ein Rekord aufgestellt. Die Bahn wurde mit einer Gesamtlänge von 31 Kilometern innerhalb von viereinhalb Monaten gebaut. Hierzu wurden bis zu 10.000 Arbeitskräfte eingesetzt, um die Bahn in Betrieb zu nehmen. Vornehmlich waren die Arbeitskräfte russische Kriegsgefangene, die mit 6.000 Arbeitern mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer ausmachten; daneben waren noch etwa 3.500 Soldaten und Militärarbeiter und etwa 500 Zivilarbeiter beim Bau involviert. Mit dem Bahnbau wurde im September 1915 begonnen, offiziell wurde die Bahn im Februar 1916 schon in Betrieb genommen.

Über 44 Jahre war die Grödner Bahn in Betrieb und hatte am 29.05.1960 ihre letzte Fahrt. Vor allem der damals aufkommende Autoverkehr, welcher in der Mobilität hinsichtlich Leistung und Schnelligkeit klare Vorteile im Vergleich zu Bahn brachte, sorgte für eine Einstellung des Bahnbetriebs. Bei einer maximalen Geschwindigkeit von 14 km/h bergwärts und 18 km/h talwärts hatte die Bahn klare Nachteile im Vergleich zum Auto und konnte damit nicht mehr den Anforderungen gerecht werden. Die hohen Modernisierungskosten, welche erforderlich gewesen wären, waren daher für die Grödner Bahn nicht mehr rentabel bzw. konnten damals nicht mehr finanziert werden.

Ursprünglich wurde die Grödner Bahn als Heeresfeldbahn erbaut, um die damals in Gröden stationierten Einheiten mit Kriegsmaterial im Ersten Weltkrieg zu versorgen.

Daten zur Bahn

Insgesamt hatte die Grödner Bahn eine Länge von 31 Kilometer. Der Streckenbeginn war in Klausen, das Streckenende in Plan (Wolkenstein). Dazwischen lagen die Haltestellen Lajen Ried, St. Peter, Runggaditsch, St. Ulrich, Soplajes, St. Christina, Fischburg und Wolkenstein, wo ein Zu- bzw. Ausstieg möglich war.

Auf der 31 Kilometer langen Strecke waren insgesamt 40 Brücken notwendig, welche zunächst als Holzbrückenprovisorien erbaut wurden. Als die Grödner Bahn bereits ihren Betrieb aufgenommen hatte, wurden diese mit Steinen umbaut. Daher konnte in der Anfangszeit die Bahn nur am Morgen, Mittag und Abend fahren; die dazwischen liegenden langen Pausen waren für die Steinumbauten der Holzprovisorien und auch für die Ausmauerung der Tunnels erforderlich.

Bei der Grödner Bahn handelte es sich um eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 76 cm (760 mm); hierbei handelt es sich um die sogenannte Bosnische Spur.

Um – nicht zuletzt aufgrund der geringen Leistungsstärke der Grödner Bahn – gleich zu Beginn der Strecke reichlich Höhe zu gewinnen, wurde beim Bahnhof in Klausen ein Kehrviadukt gebaut. Dies sind Kehren, welche auf einem geringen Areal kreisförmig nach oben führen.

Für die Bauarbeiten und die Trassierung war damals Prof. Dr. Leopold Oerley verantwortlich.

Die Bahnsteig-Promenade

Teile der damaligen Bahnstrecke sind heute nicht mehr vorhanden; ein Teil wurde beispielsweise für die Alpine Skiweltmeisterschaft im Jahr 1970 in eine Straße umgebaut. Allerdings wurde ein Teil der Strecke als Promenadenweg angelegt. Der Abschnitt von St. Ulrich bis Wolkenstein des Grödner Bahnwegs ist daher heute ein Wander- bzw. Spazierweg, der Einblicke in die Geschichte der Grödner Bahn gibt. Entlang des Weges wurden einige Schautafeln aufgestellt, welche einerseits historische Bilder zeigen, andererseits aber auch interessante Informationen und Daten zur Bahn geben. Damit wird ein wichtiger Teil der Grödner Geschichte in punkto Mobilität gezeigt.

Empfehlenswert ist, den Promenaden-Weg ab St. Christina (in der Nähe der Kirche bzw. Cislesstraße) zu gehen. Von hier kann man sich entscheiden, ob man den alten Bahnweg in Richtung Wolkenstein oder in Richtung St. Ulrich geht. Empfehlenswert ist aber auch, den kompletten Weg von Wolkenstein über St. Christina nach St. Ulrich (oder umgekehrt; hier muss man dann allerdings kontinuierlich bergauf gehen) zu gehen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus) kann man dann wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückgelangen.

Bis zum Jahr 2012 wurde die damalige Trasse (innerhalb des Gemeindegebietes von St. Christina) als Planetenwanderweg genutzt. Entlang des Weges standen Schautafeln mit Informationen zu den Planeten unseres Sonnensystems. Diese Tafeln wurden allerdings entfernt, um die Geschichte der Grödner Bahn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

PS: Vielleicht wird die Grödner Bahn einmal wieder reaktiviert. Hierzu hat die Südtiroler Landesabteilung für Mobilität eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

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