St. Zyprian Südtirol

St. Zyprian, eine Fraktion der Gemeinde Tiers am Rosengarten

St. Zyprian ist eine kleine Ortschaft in Südtirol, welche als Fraktion zur Gemeinde Tiers am Rosengarten gehört. Bekannt ist der kleine Ort vor allem durch das St. Zyprian-Kirchlein, welches mit dem Rosengartengebirge als Panorama auf zahlreichen Postkarten und Werbebilder zu sehen ist. Damit ist das kleine Kirchlein Aushängeschild für das beliebte Urlaubsland Südtirol im nördlichen Teil Italiens.

Bis zum Jahr 2013 war Tiers am Rosengarten mit seinen Fraktionen – und damit auch St. Zyprian – der Ferienregion Rosengarten/Latemar angegliedert. Seitdem gehört die Gemeinde zur Ferienregion Seiser Alm.

Auf Italienisch wird St. Zyprian „San Cipriano“ bezeichnet, der Ortsname stammt vom Patron Cyprian von Antiochia. Der Ort liegt auf einer Höhe von 1.071 Meter über dem Meeresspiegel direkt an der Straße zum Nigerpass, welcher das Tierser Tal mit dem Karerpass verkehrstechnisch verbindet. Die einheimischen bezeichnen St. Zyprian meistens „Hintertal“.

Leider sucht man ein klassisches Dorfzentrum in St. Zyprian vergeblich. Der Häuser liegen hauptsächlich an der Straße des Nigerpasses, weshalb man den Ort auch als Straßendorf bezeichnen kann. Dieser Umstand ist allerdings kein Grund dafür, St. Zyprian nicht als Urlaubsort in Erwägung zu ziehen. Einerseits ist der Hauptort, die Gemeinde Tiers am Rosengarten, nur etwa drei Kilometer von St. Zyprian entfernt und damit schnell zu erreichen. Andererseits kann man von St. Zyprian aus zahlreiche Wanderungen in den Naturpark Schlern-Rosengarten starten. Hotels und Pensionen bieten den Gästen sämtliche Annehmlichkeiten, die man von einem Urlaub inmitten der Dolomiten erwarten kann.

Beliebt ist St. Zyrian vor allem aufgrund der nahezu unberührten Natur; hier öffnet sich das Tierser Tal, welches ansonsten weitestgehend eng ist, mit Wiesen und Wäldern, was dafür sorgt, dass die direkte Umgebung nur sehr wenig bebaut ist. Teilweise wird St. Zyprian bzw. das Hintertal als das Tor zu den Almen und Wäldern und zum Nigerpass, welcher den Übergang ins Fassatal bildet, bezeichnet.

Die Geschichte von St. Zyrian

St. Zyprian war in vergangenen Zeiten einmal wesentlich größer als heute. Erdrutsche und im späten 17. Jahrhundert die Pest sorgten für eine Entvölkerung des Ortes.

Bis ins späte 19. Jahrhundert existierten 46 Mühlen, Schmieden und Sägewerke, die ab St. Zyprian entlang des Breitenbachs bis zu dessen Mündung in den Eisack bei Blumau angesiedelt waren um die Wasserkraft des Baches zu nutzen.

Im Hintertal befindet sich im Naturparkhaus eine Venezianer Säge, welche wieder funktionsfähig hergestellt wurde und an die damals ansässigen Sägewerke erinnert.

Die Almwiese „Proa“

Wer seinen Urlaub in St. Zyprian verbringt oder auch nur auf einer Durchreise eine Rast einlegt, sollte einen kurzen Abstecher zur Almwiese „Proa“ machen. Diese Wiese ist dafür bekannt, dass einem hier ein hervorragender Blick auf das Rosengartengebirge geboten wird. Vor allem, wenn der Rosengarten bei Sonnenuntergang rot erglüht – das Alpenglühen bezeichnet man hier „Enrosadira“ – dann wird der Ausflug auf die Proa-Almwiese sehr lange in Erinnerung bleiben.

Der hervorragende Ausblick auf den Rosengarten hat die Veranstalter inspiriert, auf der Almwiese Proa im Sommer eine sogenannte „Berglertafel“ zu veranstalten. Unter freiem Himmel wird an der „Berglertafel“, welche eine Länge von mehr als 100 Meter aufweist, ein Fünf-Gänge-Menü serviert. Der Berglertafel ist ein Genuss für alle Sinne. Dieses Flair ist mit Worten kaum zu beschreiben, wenn man die Köstlichkeiten inmitten der alpinen Landschaft mit dem unverwechselbaren Ausblick auf den Rosengarten genießt. Die Berglertafel hat zwischenzeitlich sogar diese Beliebtheit bei den Teilnehmern, dass sie im Jahr 2017 erstmals auch in der Wintersaison (März 2017) angeboten wurde.

Das St. Zyprian-Kirchlein

Das kleine Kirchlein St. Zyprian befindet sich direkt an der Straße zum Nigerpass, wo die Straße nach Weißlahnbad abzweigt.

Geht man nach den Erzählungen, soll das erste Gotteshaus von St. Zyprian einst inmitten des Dorfes gestanden haben. Aufgrund einer Verschüttung soll die Kirche einst zerstört worden sein; zu einer Neuerrichtung an dem heutigen Standort der Kirche kam es im 13. Jahrhundert. Hier wurde die Kirche den Heiligen Cyprian und Justina von Antiochia geweiht.

Erbaut wurde die Kirche mit Tonnengewölbe, niedrigem Glockenturm und überwölbter Apsis im spätromanischen Stil. Der niedrige Glockenturm ist das prägende Merkmal der Kirche. 1538 kam es zu einer Erneuerung der Kirche, die auf die Freiherrn von Völs-Colonna zurückgeht. Im Rahmen dieser Erneuerung ersetzte ein Gewölbe die bisherige Holzdecke und es kam zu einer Vergrößerung der Fenster. Zugleich erhielt der Altar einen Aufbau; der Altar wiederum zeigt in seinem Mittelstück die beiden Schutzheiligen der Kirche. Im Sakramentshäuschen wird der blutende Jesus gezeigt.

Gottesdienste finden in der Kirche heute nicht regelmäßig statt. So werden nur beim Bittgang nach St. Zyprian und beim Hintertaler Kirchtag, am 26. September eines jeden Jahres stattfindet, Messfeiern abgehalten. Teilweise wird das Kirchlein allerdings auch für Tauffeiern genutzt, welche die Tiersener hier abhalten möchten.

Von außen ist die Kirche leicht zugänglich. So kann man an deren Außenwänden ein Fresko aus dem 17. Jahrhundert bewundern, welches die Rettung der Platzlinerwiese zeigt. Konkret wird hier bildlich dargestellt, wie Blitze auf die Wiese und Herde von Gott niedergeschleudert werden und die Heiligen Cyprian und Justina von Antiochia zur Bewahrung vor den Blitzen ihre Mäntel schützend über Natur und Tiere ausbreiten.

Das Kirchlein ist leider geschlossen und nicht frei zugänglich. Im Jahr 1964 kam es zu einem dreisten Einbruch und vollständigen Plünderung, weshalb das Gotteshaus heute nur auf Anfrage bei der Messnerin von innen besichtigt werden kann.

Das Zyprusstier – große Turmglocke

Die große Turmglocke des St. Zyprian-Kirchleins wird auch „Zyprusstier“ bezeichnet. Die Glocke soll einmal aus dem Erdschutt hinter dem Tschaminsteg ausgegraben worden sein, wo das erstmals errichtete Gotteshaus einmal gestanden und verschüttet worden sein soll (s. oben). Heute hält sich noch der Glaube, dass man durch Läuten des Zyprusstiers ein herannahendes Unwetter abwenden kann. Bei den Einheimischen entstand der Glaube, dass durch das Läuten des Zyprusstiers Gewitterfronten oder Gewitterwolken vertrieben werden können, da die Glocke einer Kirche geweiht wurde. Und daher musste die Messnerin stets das Zyprusstier läuten, wenn sich ein Unwetter anbahnte.

Auch heute noch wird durch das Läuten der Glocke versucht, das Wetter zu beeinflussen. Wie bereits erwähnt, wird auf der Proa-Wiese die Berglertafel angeboten. Als die Veranstaltung Mitte Juli 2016 drohte, aufgrund von Regen und Gewitter sprichwörtlich „ins Wasser zu fallen“, wurde das Zyprusstier geläutet. Die Veranstaltung konnte schließlich am Abend durchgeführt werden. Das Gewitter zog ab und es gab nur ein paar wenige und harmlose Regentropfen. Ob dies ursächlich auf das Läuten der großen Turmglocke zurückzuführen ist, darüber kann sich jeder selbst seine Meinung bilden.

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