Josef Riehl

Der Erbauer der Straße nach Kastelruth

Verlässt man Waidbruck und fährt die serpentinenreiche Straße hinauf nach Kastelruth, beginnt für zahlreiche Urlauber, die ihren Urlaub im Schlerngebiet verbringen, bereits hier eine ganz andere Welt. Zugleich zählt die Fahrt wohl zu den eindrucksvollsten ersten Erlebnissen ihres Urlaubes. Die Straße schlängelt sich immer weiter nach oben, bis man in Kastelruth, dem Hauptort des Hochplateaus Schlerngebiet, angekommen ist und sich nach der letzten Kurve die Santnerspitze zeigt. Die allerwenigsten machen sich allerdings Gedanken darüber, wie die Straße überhaupt erbaut wurde, so sehr ist man von den ersten Eindrücken des Schlerngebietes eingenommen. Doch gerade diese Straße galt zu ihrer Erbauungszeit als Meisterwerk. Verantwortlich für den Bau der Straße war der Bozner Josef Riehl, der die Leitung für den Straßenbau im Jahr 1887 Übernahm.

Der Anschluss an die Außenwelt

Während die Einwohner des Schlerngebietes vor dem Bau der Straße von Waidbruck nach Kastelruth weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten waren, bedeutete deren Bau das Ende der Isolation und zugleich den Beginn des Fremdenverkehrs.

Die Diskussionen des Straßenbaus wurden durch den Bau der Brennerautobahn angetrieben. Die Brennerautobahn wurde im Jahr 1867 erbaut und läutete bereits das Ende der Abgeschiedenheit des Schlerngebietes ein. Es fehlte also nur noch die Verbindung zum Tal. Der Kastelruther Gemeinderat hatte damals die Notwendigkeit des Straßenbaus über mehrere Monate hinweg diskutiert, bis schließlich das Projekt des aus Bozen stammenden Ingenieurs Josef Riehl genehmigt wurde. Und daher wurde zunächst der Straßenbau von Waidbruck nach Kastelruth bis Seis Bad Ratzes genehmigt.

Der Ingenieur Josef Riehl

Josef Riehl wurde in der heutigen Südtiroler Landeshauptstadt Bozen am 31.08.1842 geboren. Nach dem Abschluss seiner Schulzeit studierte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe und an der Technischen Hochschule München.

Nachdem er im Jahr 1864 beim Bau der Brennerautobahn seine ersten beruflichen Erkenntnisse im Straßenbau gesammelt hatte, bekam er für den Bau der Straße von Waidbruck nach Kastelruth die Verantwortung. Der Bau der Straße sollte seine Meisterleistung sein und galt unter dem Aspekt der damaligen Verhältnisse als ein revolutionäres Projekt.

Für den Bau des Straßenabschnitts von Waidbruck nach Kastelruth stand ein Etat von 50.000 Gulden zur Verfügung. Die Straße musste eine Länge von 7,6 Kilometern, eine Breite von vier Metern haben und es musste ein Höhenunterschied von 600 Metern überwunden werden. Am 19.09.1887 wurde die Straße dann schließlich feierlich eröffnet. Es handelte sich zur damaligen Zeit um eine wahre Pionierleistung, denn die Straße wurde in einer Rekordzeit von nur sechs Monate erbaut. Zudem ist bemerkenswert, dass die tatsächlichen Kosten noch um ein Fünftel unter dem veranschlagten Etat lagen.

Josef Riehl gründete im 1870 sein eigenes Bauunternehmen, das Bauunternehmen „J. Riehl“, welches sich auf den Straßen- und Eisenbahnbau spezialisiert hat. In den 1890er Jahren zog Josef Riehl nach Innsbruck um und wurde dort als Verantwortlicher für die Verkehrs- und Energieprobleme in den Stadtrat gewählt.

Josef Riehl war noch für eine Reihe weitere Projekte verantwortlich. Er entwickelte zahlreiche Straßen- und Bahnprojekte und hatte diese zum Teil auch noch ausgeführt. Als Beispiele sind die Stubaitalbahn, die Rittnerbahn, die Hungerburgbahn, die Tauferer Bahn und die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn zu nennen.

Sein Bauunternehmen verkaufte Josef Riehl im Februar 1916. Noch heute ist das Bauunternehmen unter dem Namen „Innerebner & Mayer GmbH“ tätig.

Am 17.12.1917 verstarb Josef Riehl im Alter von 75 Jahren in Innsbruck.

In Innsbruck wurde die Dr. Ing. Riehl-Straße und in Fulpmes die Riehl-Straße nach Josef Riehl benannt.

Bau weiterer Straßen im Schlerngebiet

Die von Josef Riehl erbaute Straße von Waidbruck nach Kastelruth wurde im Jahr 1938 bis auf die Seiser Alm und nach Schönblick weitergebaut. Noch heute ist die Straße eine wichtige Verbindung von Kastelruth auf die Seiser Alm. Allerdings kommen heute die meisten Einheimischen, Gäste und Besucher mit der Seiser Almbahn bequem auf die Seiser Alm; mit der Eröffnung der Seiser Almbahn wurde der Autoverkehr auf die Seiser Alm stark eingeschränkt.

In den 1970er Jahren wurde eine weitere Verbindung in das Schlerngebiet erbaut. Hier wurde die Straßenverbindung von Kastelruth nach St. Ulrich (über den Panider Sattel) erbaut.

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