Maria-Hilf-Kirche Seis

Die Maria-Hilf-Kirche in Seis am Schlern

Direkt in der Dorfmitte von Seis am Schlern in Südtirol befinden sich zwei Kirchen. Bei der einen Kirche handelt es sich um die Pfarrkirche Heilig Kreuz, bei der sich auch der Friedhof von Seis befindet. Die andere Kirche ist die Maria-Hilf-Kirche, welche sich doch eher dezent darbietet und daher von den Besuchern weniger Beachtung erfährt. Hört man ältere Einwohner von der Maria-Hilf-Kirche reden, wird diese auch oftmals als „alte Kirche“ bezeichnet. Bei der „neuen Kirche“ handelt es sich folglich um die Pfarrkirche. Wenig bekannt ist allerdings, dass es sich bei der Maria-Hilf-Kirche früher einmal um eine Wallfahrtskirche gehandelt hat, welche äußerst beliebt war.

Aufgrund ihrer Größe wird die Maria-Hilf-Kirche heute nur noch wenig genutzt. Allerdings läutet stets das Sterbeglöckchen im Turm, wenn in Seis jemand stirbt.

Die Geschichte der Maria-Hilf-Kirche

Geht man nach der Jahreszahl, welche über dem Türsturz der Kirche angebracht ist, kann man auf das hohe Alter der Kirche schließen. Über dem Türsturz ist die Jahreszahl 1648 zu lesen. In diesem Jahr wurde die Maria-Hilf-Kirche in Seis erbaut. Zwar gab es zu jener Zeit mit der Schlosskapelle der Burg Salegg und der Schlosskapelle des Schlosses Hauenstein bereits zwei Kapellen. Diese waren jedoch privat, sodass für die damals zirka 50 vorhandenen Wohnstätten von Seis eine Kirche erbaut werden musste. Die Maria-Hilf-Kirche wurde im Jahr 1657 geweiht. Mit der Weihung der Kirche ging es einher, dass Seis eine selbstständige Fraktion der Gemeinde Kastelruth wurde.

Die kleine Kirche wurde am 06.09.1657 durch Jesse Perckhofer, einem Weihbischof aus Brixen, zur Ehren Maria geweiht und gehörte als Filialkirche zum Dekanat Kastelruth. In der Folgezeit zog die Kirche Menschen aus nah und fern an. Die Menschen erhofften sich in der Kirche, welche seinerzeit durchaus als Wallfahrtskirche bezeichnet werden konnte, Trost und Zuflucht, die sie beim Maria-Hilf-Gnadenbild zu finden gedachten.

Die Kirche

Die Maria-Hilf-Kirche in Seis zeigt sich heute im frühen Barockstil. Auffallend an der Kirche ist das spitze Kirchendach. Am Kirchenturm fallen vor allem die vier Wasserspeier auf, welche in Form von Tierköpfel dargestellt sind. Um die Kirche herum liegt ein kleiner Friedhof. Beachtenswert sind die vierzehn Kreuzwegstationen, die an der Außenmauer der Kirche aufgemalt wurden. Wer sich die Stationen des Kreuzweges genauer betrachtet, wird auf eine visuelle Reise des Weges mitgenommen, den Jesu nach Golgatha gehen musste.

Das Innere des Gotteshauses ist klein und beschaulich. Und dennoch gibt es eine ganze Reihe an Einrichtungsgegenständen, die man sich bei einem Besuch der Maria-Hilf-Kirche genauer ansehen sollte. Der Hochaltar, welcher sich an der Stirnseite der Kirche befindet, wurde etwa um das Jahr 1700 gefertigt. Zwei Säulen begrenzen den Altar auf der linken und auf der rechten Seite. Zwischen den zwei Säulen ist ein Ölbild von Maria mit dem Kind Jesu in einen goldenen Rahmen zu sehen. Das Bild wird von zwei Engeln getragen. Weitere Engel flankieren das Bild an dessen Unterseite. Bei dem Bild handelt es sich um eine Kopie des Mariahilf-Bildes, dessen Original sich im St.-Jakobs-Dom von Innsbruck befindet und von Lukas Cranach geschaffen wurde. Über dem Bild befinden sich in Andeutung auf die göttliche Dreieinigkeit die Taube des Heiligen Geistes und Gottvater mit der Weltkugel. Unter dem Bild befinden sich zwei Reliefdarstellungen, welche Maria und das Herz Jesu zeigen.

Seitlich des Altares stehen zwei große holzgeschnitzte Figuren, welche – wie man annimmt – aus der Werkstatt von Josef Konrad Wiser stammen. Bei den Holzskulpturen handelt es sich um Johannes, den Evangelisten und um Johannes den Täufer.

An der rechten Seite im Inneren der Kirche befindet sich die Kanzel. Auf dem Deckel der Kanzel ist der Seelenbegleiter St. Michael zu sehen. Dieser empfängt mit der Trompete die Eintretenden des Jüngsten Gerichts. Zusätzlich ist an der Vorderseite des Kanzeldeckels eine Hand zu sehen, welche eine Seelenwaage hält. Darüber ist das Auge Gottes zu sehen.

An der linken Wandseite im Kircheninneren befindet sich ein Seitenaltar. Der Seitenaltar wurde der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht. Das Altarbild dieses Seitenaltars, welcher aufgrund seines frühen Barockstiles eine sehr ernste Form aufweist, wurde der Inschrift nach im Jahr 1669 gestiftet. Man geht jedoch davon aus, dass der Altar aus der Hauskapelle der Burg Salegg stammt. Nachdem die Hauskapelle vom Verfall bedroht wurde, kann dieser in die Maria-Hilf-Kirche geschafft worden sein. Das Altarbild zeigt die Vermählung Katharinas mit dem Kind Jesu, eine mystische Legende. Durch einen Engel werden die Marterwerkzeuge Schwert (Enthauptung) und Rad (Räderung) gehalten. Die Figuren an den Seiten des Seitenaltars zeigen den Gesundheitspatron St. Sebastian und den Feuerwehrpatron St. Florian.

Auch in der Kirche sind die Kreuzwegstationen zu sehen. Vierzehn Bilder hängen an der Kirchenwand. Die Bilder mit den kostbaren Bilderrahmen, an denen Leidenwerkzeuge angebracht sind, stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Die Kirchenorgel, welche über der Eingangstüre im Kircheninneren zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1971. Dabei handelt es sich um eine einmalige Formentelli-Orgel. Die Kirchenorgel befindet sich erst seit dem Jahr 1993 auf der Empore der Kirche.

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