Oswald von Wolkenstein-Weg

Der Rundweg zu den Ruinen Salegg und Hauenstein

Wer von dem beliebten Urlaubsort im Schlerngebiet Seis am Schlern seinen Blick in Richtung Santnerspitze schweifen lässt, der kann im Hauensteiner Forst leicht erkennen, dass sich dort zwei Ruinen befinden. Dies sind die Ruine Salegg und die Ruine Hauenstein, welche auf eine lange Geschichte zurückblicken, die eng mit der des Schlerngebietes verbunden ist. Die zwei Ruinen können über einen Rundweg erreicht werden, welcher direkt am Parkplatz der Talstation der Seiser Almbahn beginnt und auch hier wieder endet. Der Rundweg wird als „Oswald von Wolkenstein-Weg“ bezeichnet und lohnt nicht nur wegen der Besichtigung der Ruinen.

Einerseits handelt es sich beim Oswald von Wolkenstein-Weg um einen relativ leichten Wander- bzw. Spazierweg, bei dem keine großen Höhenunterschiede überwunden werden müssen. Andererseits wurden über den gesamten Weg zahlreiche Informationstafeln aufgestellt, die viele interessante Fakten zum Mittelalter preis geben und einladend – auch für Kinder – gestaltet sind. Zusätzlich bietet der Weg den Vorteil, dass dieser überwiegend durch das Waldgebiet des Forstes am Fuße der Santnerspitze verläuft und daher auch an warmen Sommertagen bequem gegangen werden kann.

Der Rundweg

Der Rundweg „Oswald von Wolkenstein-Weg“ startet direkt am Parkplatz der Seiser Almbahn (Talstation). Von hier aus folgt man dem Weg Nr. 3 zunächst in Richtung Hotel Salegg, der dann weiter zur Ruine Salegg führt. Von der Ruine Salegg setzt man den Weg in Richtung Ruine Hauenstein fort, die in etwa 30 Gehminuten erreicht wird.

Von der Ruine Hauenstein geht es wieder zurück in Richtung Ausgangspunkt. Der Rundweg, der übrigens sehr gut beschildert ist, endet dann am oberen Ende des Parkplatzes der Seiser Almbahn. Für den Oswald von Wolkenstein-Weg sollte man sich etwa zwei bis drei Stunden Zeit nehmen. Zwar beträgt die reine Gehzeit nur etwa eine bis eineinhalb Stunden (an der Informationstafel am Beginn des Oswald von Wolkenstein-Weges mit 1:20 Stunden beschrieben); doch auch für die Besichtigung der Ruinen selbst sollte Zeit eingeplant werden. Und wer möchte, kann sich auch etwas Zeit nehmen, die Aussichten, die sich von den Ruinen aus auf den Ort Seis bieten, zu genießen. Auch die interessanten Hinweise, welche die Informationstafeln den Interessierten über das Mittelalter liefern, benötigen Zeit gelesen zu werden. Der Rundweg hat eine Gesamtlänge von fünf Kilometern.

Informationen zum Mittelalter und den Rittern

Kennen Sie die Gesellschaftsordnung, welche in der Zeit zwischen 500 und 1500 nach Christus galt? Oder wissen Sie, wie eine mittelalterliche Burg aufgebaut ist, das mittelalterliche Leben am Hofe aussah oder die Kinder erzogen oder ausgebildet wurden? Haben Sie schon einmal etwas über die zehn Tischmanieren zur Zeit Oswald von Wolkenstein gehört? Nein? Zu all diesen Fragen geben die Informationstafeln entlang des Oswald von Wolkenstein-Weges die Antworten. An den Ruinen selbst wird die Geschichte der alten Gemäuer beschrieben und zusätzlich wird an der Ruine Hauenstein über das Leben von Oswald von Wolkenstein, der eine Zeit lang auf der damaligen Burg gelebt und hier auch das berühmte Hauensteinlied geschrieben und komponiert haben soll, informiert.

Die Gesellschaftsordnung

Ziemlich zu Beginn des Oswald von Wolkenstein-Wegs ist die Gesellschaftsordnung Europas in der Zeit zwischen 500 und 1500 nach Christus beschrieben. Damals war Europa in Königreiche eingeteilt, die von Königen überwacht und verteidigt wurden. Hilfe, das Land zu schützen, bekam der König von einflussreichen und vermögenden Adeligen, denen der König im Gegenzug das Land verliehen hatte. In diesem Zusammenhang spricht man von Lehen. Dadurch wurden die Adeligen zu Lehensmännern, die sich wiederum dem König gegenüber durch einen Eid verpflichteten, im Kriegsfall Soldaten zu stellen.

An der Spitze der Gesellschaftsordnung standen damit die Könige, darunter die Äbte und der Adel. Dann folgten der Kleinadel – die Ritter – und in der untersten Stufe die Bauern.

Die mittelalterliche Burg

Die Burgen des Mittelalters, welche in Tirol in der Zeit zwischen 500 und 1500 nach Christus entstanden, werden in zwei Arten eingeteilt, nämlich in die Höhenburg und in die Wasserburg. Die Höhenburgen wurden auf einem Hügel oder Felsen erbaut. Daher handelte es sich bei den Burgen Salegg und Hauenstein um sogenannte Höhenburgen. Die Wasserburgen hingegen waren von einem Wassergraben umgeben.

Die mittelalterliche Burg bestand aus einer Hauptburg, einer Kapelle, dem Palas, der Kemenate, einem Aboterker, einem Wehrgang und einer Pechnase. Zudem gehörten der Bergfried, der Eckturm, ein Brunnen, ein Verlies und die Küche dazu.

Bei der Kemenate handelt es sich um einen Kaminraum, der meist im Palas der einzig beheizte Raum war. In der Kemenate schlief und aß der Burgherr mit seiner Familie. Im Burgverlies warteten die Gefangenen auf ihr Urteil bzw. wurden dort hart bestraft.

Der Aboterker war damals die heutige Toilette, der oft auch als Abtritterker bezeichnet wurde.

Die zehn Tischmanieren

Welche Tischmanieren zur Zeit Oswald von Wolkensteins bereits galten, darüber informiert eine eigene Informationstafel. Sicher gelten die meisten Tischmanieren noch heute, wie z. B. dass man nicht mit vollem Munde trinken oder sprechen soll und dass man vor dem Trinken den Mund abwischen soll. Direkt bei dieser Informationstafel befindet sich ein hölzerner Tisch, der beschreibt, wie damals die Sitzordnung war. Oftmals kommen hierher auch Schulklassen aus dem Schlerngebiet, die über die damalige Sitz- und Essordnung geschult werden und in die Zeit des Mittelalters zurückversetzt werden.

Das Geschichtenbuch

Am Wegabschnitt zwischen der Ruine Salegg und der Ruine Hauenstein geht es zum Geschichtenbuch, welches sich unter einem Felsvorsprung befindet. In einem eisernen Geschichtenbuch werden Geschichten aus dem Mittelalter aufgezeigt, die zu jener Zeit von Gästen, Hausmägden, Lehrern, Burgdamen und Rittern erzählt wurden als die Burgbewohner im Herbst und im Winter am Kamin saßen. Die Erzählungen handelten meist von eigenen Abenteuern, welche mit überlieferten Erlebnissen vermischt wurden.

In dem Geschichtenbuch werden beispielsweise die Sage der Schlernhexe, der Drachen, von König Laurin und den Schlernhexen und die Geistergeschichte der Burg Hauenstein erzählt. Auch das Lied der Schlernhexen kann hier anhand von Noten, die in dem Geschichtenbuch abgebildet sind, nachgesungen werden.

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