Die Kastelruther Spatzen
Wohl jeder, der Kastelruth hört, denkt sofort an die Kastelruther Spatzen. Und umgekehrt können die meisten, die Kastelruther Spatzen hören, zuordnen, dass diese aus dem bekannten und beliebten Urlaubsort im Schlerngebiet kommen.
Hat man die Erfolgsgeschichte der Kastelruther Spatzen nicht von Anfang an mitbekommen, fällt es schwer sich vorzustellen, wie aus einem solchen Bergdorf wie Kastelruth die erfolgreichste volkstümliche Musikgruppe kommen kann. Die Kastelruther Spatzen begeistern mit ihren Liedern, mit denen sie zu einem großen Teil auch ihre Südtiroler Heimat besingen, schon seit Jahrzehnten ein Millionenpublikum. Dabei fing alles ganz klein an.
Die Anfänge schon im Jahr 1975
Die Anfänge der Kastelruther Spatzen gehen schon auf das Jahr 1975 zurück. Der Gründer der „Spatzen“, wie sie kurz und liebevoll von ihren Fans genannt werden, Karl Schieder hat mit seinen damaligen Freunden Walter Mauroner, Oswald Sattler, Valentin Silbernagl und Anton und Ferdinand Rier sich zu ersten Proben getroffen, um einige Lieder einzustudieren. Dabei wurden Titel nachgespielt, die zu jener Zeit gerade aktuell waren. Erst nach einem Jahr intensiver Proben hatte die Gruppe ihre ersten Auftritte bei Hochzeiten gehabt.
Die damalige Formation blieb nicht lange erhalten. So stiegen beispielsweise Anton und Ferdinand Rier aus der Gruppe aus. 1979 kam dann schließlich Norbert Rier, der heutige Chef und Sänger der Spatzen, zur Gruppe. Im Jahr 1980 kam dann auch Albin Groß zu der Gruppe. Norbert Rier spielte damals das Schlagzeug, Albin Groß die Ziehharmonika.
1979 war für die Kastelruther Spatzen der erste Meilenstein in ihrer Karriere. In jenem Jahr waren sie im Kastelruther Tanzlokal „Schlernkeller“ Stammgast und spielten sich hier schon mit ihren Liedern in die Herzen ihrer Zuhörer.
Das geplante Ende war der richtige Anfang
Ein Musikantentreffen in Terenten im Jahr 1982 und ein Auftritt bei einer Hochzeit im Frühling 1983 in St. Ulrich im Grödner Tal war ein Schlüsselereignis für die Kastelruther Spatzen. Hier kam der Kontakt zur Plattenfirma Koch zustande.
Nachdem die Kastelruther Spatzen sich zu jener Zeit eigentlich schon gegen ein Musikerleben entschieden hatten und mit dem Musizieren aufhören wollten, stimmten sie dennoch einem Plattenvertrag zu. Die Plattenaufnahme war damals jedoch dazu gedacht, als Abschiedsgeschenk bzw. als Erinnerung zu dienen. Die Platte hieß damals „Viel Spaß und Freude“. Mit einem hat damals jedoch niemand gerechnet – dass der Titel „Das Mädchen mit den erloschenen Augen“, der von Norbert Rier geschrieben wurde und ein Drogenproblem eines jungen Mädchens beleuchtet, sofort großen Anklang fand und die Charts eroberte. Schon im Jahr 1984 wurde die zweite Platte „Ich sag´s Dir mit Musik“ eingespielt.
Schon im Jahr 1985 hatte die Produktion „Viel Spaß und Freude“ Goldstatus erreicht. In den folgenden Jahren konnte den Spatzen jedes Jahr mindestens eine Goldauszeichnung überreicht werden, weshalb sie schon bald auch „Goldspatzen“ genannt wurden.
Das Jahr 1986 brachte nochmals eine gravierende Änderung. Der Gründer der Kastelruther Spatzen Karl Schieder stieg aus der Gruppe aus und wurde durch Karl Heufler ersetzt. Norbert Rier wurde in diesem Jahr Bandleader der Kastelruther Spatzen.
Einen personellen Wechsel gab es zwei Mal auf der Position des Gitarristen. Oswald Sattler schied im Jahr 1993 aus der Gruppe aus. Dafür stieß Andreas Fulterer zur Gruppe. Nach nur fünf Jahren Bandzugehörigkeit verließ Andreas Fulterer die Kastelruther Spatzen. Für ihn kam Kurt Dasser, der seitdem die Spatzen-Gitarre spielt und die Zweitstimme singt.
Der Grand-Prix-Sieg im Jahr 1990
Die ersten Aufnahmen waren ein Mix von Liedern aus Volksmusik und volkstümlichen Schlagern. Im Jahr 1989 wurde mit der Platte „Doch die Sehnsucht bleibt“ erstmalig eine Produktion aufgenommen, die ausschließlich Schlager enthielt. Im Jahr 1990 sollte schließlich der ganz große Durchbruch der Kastelruther Spatzen gelingen. In diesem Jahr wurde die Platte „Feuer im ewigen Eis“ veröffentlicht. Diese enthält den Titel „Tränen passen nicht zu Dir“. Mit diesem Titel gewannen die Spatzen am 17. Juni 1990 – jedem Fan ist dieses Datum gut bekannt – in Saarbrücken den Grand Prix der Volksmusik. Ein Wettbewerb, den nur wenige Künstler für sich entscheiden können.
Auf der Position des Gitarristen hat sich im Jahr 1993 und im Jahr 1998 nochmals eine Änderung ergeben. Oswald Sattler stieg aus Termingründen im Jahr 1993 aus der Gruppe aus und wurde durch Andreas Fulterer ersetzt. Im Herbst 1998 stieg Andreas Fulterer aus der Gruppe aus und wurde durch Kurt Dasser ersetzt.
Nachdem Norbert Rier bis zum Grand Prix-Sieg neben dem Gesang auch das Schlagzeug spielte, entschied man sich, einen Schlagzeuger in die Gruppe zu holen. Seitdem spielt (der Würzburger) Rüdiger Hemmelmann das Spatzen-Schlagzeug. Norbert Rier ist seitdem ausschließlich der Sänger der Gruppe.
Allen Kritikern zum Trotz haben die Kastelruther Spatzen ihren unglaublichen Höhenflug, der bereits Mitte der 1980er Jahre begann, unverändert fortgeführt und sogar noch weiter ausgebaut. Dass es sich bei dem Erfolg der Kastelruther Spatzen nicht um eine Eintagsfliege handelt, davon ist auch heute jeder Kritiker überzeugt.
Jede ihrer Aufnahmen erhielt einen Edeltmetallstatus. Den Spatzen wurde bereits die höchste Musikauszeichnung überhaupt – der Echo – dreizehn Mal verliehen. Insgesamt wurden bereits mehr als 15 Millionen Original-Tonträger verkauft. Ein Erfolg, der bisher noch von keiner Gruppe vorher erreicht werden konnte.
Mit Kontinuität und Heimatverbundenheit
Der Erfolg der Kastelruther Spatzen ist sicherlich – wenn überhaupt – nur schwer auf einen Nenner zu bringen. In all den Jahren des Erfolges ist jedes einzelne Bandmitglied und die Gruppe ihrer Linie treu geblieben. Ohne große Experimente in andere Musikrichtungen bzw. Musikstile haben die Kastelruther Spatzen auf Kontinuität gesetzt und besingen mit ihren Liedern ihre eigene Südtiroler Heimat.
Die Spatzen sind jedoch auch dafür bekannt, dass sie mit ihren Liedern Geschichten erzählen, die aus dem Leben gegriffen sind bzw. die das Leben schrieb. Sozialkritische Textinhalte und Geschichten, die das Leben selbst schrieb, sind zu großen Teilen die Inhalte ihrer Lieder. Nach wie vor tritt die Gruppe ausschließlich in der Kastelruther Tracht auf.
Diskografie
Im Jahr 2013 feierte die Gruppe ihr 30. (Platten-)Jubiläum. 1984 nahmen die Kastelruther Spatzen ihr erstes Studio-Album auf, weshalb das neue Album – das 30. Studioalbum (wenn man die Weihnachtsproduktion außer Acht lässt) – „Planet der Lieder“ als Doppel-CD erschien. Neben 14 brandneuen Liedern sind auch die erfolgreichsten Hits enthalten sein. Zudem sind auf der Jubiläumsausgabe vier Titel, die den Spatzenfans von den Live-Auftritten bekannt sind: „Der alte Franz“, „Mein Zuhaus“, „Zigeuner der Straße“ und das „Tiroler Medley“.
Seit dem Jahr 1984 haben die Kastelruther Spatzen jährlich Studioalben aufgenommen und veröffentlicht. Das letzte Album wurde unter dem Titel „Dolomiten Schatz“ im Oktober 2025 veröffentlich. Neben der Titelmelodie sind auf der CD weitere Lieder im typischen Spatzen-Sound, wie z. B. „Mit dir Träume leben“, „Worüber man nicht reden kann“, „Mein schönes Südtirol“ und „War´s das schon“.
Folgend ist die Übersicht sämtlicher erschienener Alben der Kastelruther Spatzen:
Diskografie
| Jahr | Album |
|---|---|
| 1984 | Viel Spaß und Freude |
| 1985 | Ich sag´s dir mit Musik |
| 1986 | Musikantengold |
| 1987 | Servus Südtirol |
| 1987 | Weihnachtssterne |
| 1988 | Wenn Berge träumen |
| 1989 | Doch die Sehnsucht bleibt |
| 1990 | Feuer im ewigen Eis |
| 1991 | Wahrheit ist ein schmaler Grat |
| 1992 | Eine weiße Rose |
| 1992 | Die schönsten Liebeslieder |
| 1993 | Der rote Diamant |
| 1994 | Atlantis der Berge |
| 1994 | Nino und das Geheimnis des Friedens |
| 1995 | Das erste Gebot ist die Liebe |
| 1996 | Sterne über´m Rosengarten |
| 1996 | Live in Berlin |
| 1997 | Herzschlag für Herzschlag |
| 1998 | Die weiße Braut der Berge |
| 1998 | Weihnachten mit den Kastelruther Spatzen |
| 1999 | Die Legende von Croderes |
| 2000 | Und ewig wird der Himmel brennen |
| 2001 | Jedes Abendrot ist ein Gebet |
| 2002 | Liebe darf alles |
| 2003 | Herzenssache |
| 2004 | Berg ohne Wiederkehr |
| 2005 | Zufall oder Schicksal |
| 2006 | Und Singen ist Gold |
| 2007 | Dolomitenfeuer |
| 2008 | Herz gewinnt, Herz verliert |
| 2009 | Ein Kreuz und eine Rose |
| 2009 | Kastelruther Weihnacht |
| 2010 | Immer noch … wie am ersten Tag |
| 2011 | Hand aufs Herz |
| 2011 | Weihnachten bei uns daheim |
| 2012 | Leben und leben lassen |
| 2013 | Planet der Lieder |
| 2014 | Eine Brücke ins Glück |
| 2015 | Heimat – Deine Lieder |
| 2016 | Die Sonne scheint für alle |
| 2017 | Tränen der Dolomiten |
| 2018 | Älter werden wir später |
| 2019 | Feuervogel flieg |
| 2020 | Liebe für die Ewigkeit |
| 2021 | Heimatliebe |
| 2021 | Heimatliebe - Weihnacht |
| 2022 | Freundschaft aus Gold |
| 2023 | Herz und Heimat |
| 2024 | Friedensadler |
| 2025 | Dolomiten Schatz |
Die heutige Besetzung der Kastelruther Spatzen:
- Norbert Rier: Sänger und Bandleader
- Albin Groß: Keyboard, Akkordeon, Komponist, Manager
- Walter Mauroner: Trompete
- Valentin Silbernagl: Saxophon, Klarinette
- Karl Heufler: Bass, Bariton
- Kurt Dasser: Gitarre, Zweit-Stimme
- Rüdiger Hemmelmann: Schlagzeug
