Franziskuskirche Seiser Alm

Die Franziskuskirche auf der Seiser Alm

Jedem, der nach längerer Zeit wieder auf die Seiser Alm kommt, fällt sofort die neu errichtete Kirche am Compatsch auf. Unweit von der Bergstation der Seiser Almbahn und direkt neben dem Feuerwehrhaus wurde die Franziskuskirche erbaut, die vor allem wegen ihrer modernen Architektur sofort ins Auge fällt. Doch die moderne Architektur fügt sich hervorragend in das Landschaftsbild der Seiser Alm und wird daher von ihrem Erscheinungsbild als äußerst positiv empfunden. In drei Sprachen „Dlieja de San Francesch“, „Chiesa di san Francesco“ und „Kirche zum Hl. Franziskus“ steht auf dem plastischen Schild am Kircheneingang und weist auf den Namen der neuen Kirche hin.

So manch einer wird sich zwar die Frage stellen, weshalb gerade auf der Seiser Alm eine neue Kirche errichtet wurde, stoßen doch die großen und kleineren Kirchen im Schlerngebiet an alles andere als an ihre Kapazitätsgrenzen. Doch ein Blick in die Historie verrät, dass schon vor einem halben Jahrhundert Pläne für eine Kirche auf der Seiser Alm geschmiedet wurden. Die Alpler hatten schon in den 1960er Jahren vor, eine Kirche zu errichten. Dieses Vorhaben wurde erst jetzt in die Tat umgesetzt. Während dessen fanden die Gottesdienste entweder in den am Compatsch ansässigen Hotels oder im Freien statt.

Der Beginn im Jahr 2001

Eine engagierte Gruppe der Alpler hatte bereits im Jahr 2001 ein Komitee gegründet, das sich die Errichtung der Kirche auf der Seiser Alm zum Ziel gesetzt hatte. Es verging nochmals einige Zeit, bis schließlich im Oktober 2002 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde. Diesen Wettbewerb konnte der Architekt Walter Dietl für sich entscheiden.

Nachdem feststand, dass Franz von Assisi der Namensgeber der neuen Kirche sein wird, sollte dessen Sonnengesang in die Kirchengestaltung mit einfließen. Mit dem Sonnengesang wird auf die Einzigartigkeit eines jeden Lebewesens und auf die Besonderheit der Schöpfung hingewiesen. Letztere kann man natürlich hautnah erleben, da man von der Kirche aus einen hervorragenden Blick auf das Schlernmassiv hat.

Die Taube

Der Architekt Walter Dietl hatte sich für die Taube als Grundlage für die Gestaltung der Franziskuskirche entschieden. Die Taube wurde deshalb ausgewählt, da dieses Tier das biblische Urmotiv für Verständigung und Begegnung, Frieden und Geborgenheit, Ruhe und Sicherheit ist. Aber nicht nur das – die Taube ist das originäre Symbol für den Heiligen Geist.

Betrachtet man den Grundriss der Kirche, wird man feststellen, dass der Kirchenraum die Konturen des Taubenkörpers darstellt. Die ausgebreiteten Schwingen der Taube werden durch die seitlichen Anbauten nachgestellt. Der Kopf der Taube wird durch den Kirchenturm – einem Glockenturm, in dem die drei Glocken mit den Namen Franziskus, Jakobus und Notburga hängen – nachempfunden. Der Kirchturm ragt an der schmalen Seite des Kirchenraumes heraus und bildet zusammen mit diesem eine kompakte Einheit.

Der Innenraum der Kirche zeigt sich überaus hell und natürlich. Direkt hinter dem Altar befinden sich die Kirchenfenster, die bis zur Kirchendecke ragen und die Kirche mit Licht regelrecht durchfluten. Die Kirchenfenster stammen vom Künstler Werner Kofler. Die Symbiose mit der Natur erfahren die Besucher dadurch, dass die Kirche mit reichlich Holz erbaut wurde. Sowohl die Dach- als auch die Wandkonstruktion besteht aus Lärchenholz, welches den positiven Nebeneffekt hat, einen feinen Duft zu verbreiten. Die Bank- bzw. Sitzreihen sind im Viertelkreis angeordnet und bestehen auch aus dem distinguiert erscheinenden Lärchenholz. In der Kirche sind für etwa 150 Personen Sitzplätze vorhanden.

Der Fußboden der Kirche besteht aus Porphyr. Wer sich diesen genau ansieht, wird feststellen, dass auch hier ein Bezug zur Natur und zur Tierwelt vorhanden ist. Stellenweise wurden Spuren von Tieren in den Fußboden eingearbeitet.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass bei der Ausstattung der Kirche zwar einfache, in der Südtiroler Gegend vorhandene Materialien zum Einsatz kamen, diese im Zusammenspiel mit Licht, Raum und Anordnung jedoch einen behaglichen Ort schaffen.

Vielleicht nutzt so mancher die Gelegenheit, nach einem unvergesslichen Tag auf der Seiser Alm, den Tag mit einem Besuch, ggf. sogar mit einem Gottesdienst in der Franziskuskirche ausklingen zu lassen. Ein Gottesdienst auf den Höhen der Seiser Alm hat ganz bestimmt seinen ganz besonderen Reiz. Die Gottesdienste werden sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache gefeiert.

Legende über Franziskus

Franziskus sah einmal an seinem Weg auf den Bäumen viele, viele Vögel sitzen. Er sagte zu seinen Freunden, die bei ihm waren: „Wartet auf mich. Ich will meinen Geschwistern, den Vögeln eine Predigt halten.“

Kaum begann er zu sprechen, kamen die Vögel zu ihm heran geflogen und lauschten seinen Worten: „Vögel, ihr meine lieben Geschwister. Ihr sollt immer und überall Gottes Lob singen. Er hat euch die Freiheit geschenkt. Ihr könnt fliegen, wohin ihr wollt. Ihr habt ein schönes Federkleid. Ihr findet euer Futter. Ihr habt Flüsse und Bäche um daraus zu trinken. Ihr findet Bäume und Sträucher um eure Nester darin zu bauen. Seid dankbar und vergesst nie, mit eurem wunderbaren Gesang Gott zu loben.“

Franziskus betrachtete staunend die schöne Vielfalt der Vögel. Sofort erhob sich die ganze Vogelschar mit einem herrlichen Gesang in die Luft. Sie flogen nach Osten und Westen, nach Süden und Norden. Franz sagte zu seinen Freunden: „Lasst uns von den Vögeln lernen. Wie sie, wollen wir Gottes Lob durch die ganze Welt tragen.“

Gebet des Heiligen Franziskus

Herr, mache uns Männer zum Werkzeug Deines Friedens:
Dass wir Liebe bringen, wo man sich hasst.
Dass wir Versöhnung bringen, wo man sich kränkt.
Dass wir Einigkeit bringen, wo Zwietracht ist.
Dass wir den Glauben bringen, wo Zweifel quält.
Dass wir Wahrheit bringen, wo Irrtum herrscht.
Dass wir die Hoffnung bringen, wo Verzweiflung droht.
Dass wir die Freude bringen, wo Traurigkeit ist.
Dass wir das Licht bringen, wo Finsternis waltet.
O Meister, hilf uns, dass wir nicht danach verlangen:
Getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Verstanden zu werden, sondern zu verstehen.
Geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn:
Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen.
Wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.
Amen.

Weitere Artikel zum Thema:
Bildergalerie

Translate

deenfritptrues

Wer ist online

Aktuell sind 331 Gäste und keine Mitglieder online