Schlernhaus

Das Schlernhaus – Rifugio Bolzano

Der Schlern ist mit seinen vertikalen Felswänden der wohl markanteste Berg der Seiser Alm und gilt als Symbolberg von Südtirol. Auf unzähligen Werbeplakaten ist das einmalige Bergmassiv mit der daneben liegenden Santner- und Euringerspitze abgebildet. In den Sommer- und Herbstmonaten wird der Schlern von zahlreichen Bergsteigern bestiegen. Schon im Jahr 1870 wurde Theodor Lampart in einer Ausgabe des Deutschen Alpenvereins zitiert, dass man auf keiner anderen Bergeshöhe ein so wechselvolles, liebliches und großartiges, in sich vereinigendes Bild landschaftlicher Schönheit antrifft als am Schlern. Jeder Freund des höheren alpin-ästhetischen Genusses wird daher geraten, selbst auf den Schlern hinauf zu steigen. Auf den Schlern führen viele Wege: So kann man die Touren auf den Gipfel des Schlerns von der Seiser Alm, den Orten des Schlerngebietes oder auch vom Rosengarten-Latemargebiet starten. Doch egal, welchen Ausgangspunkt man wählt – das Ziel ist stets das Schlernhaus.

Das Schlernhaus – auf Italienisch: Rifugio Bolzano – liegt auf einer Höhe von 2.457 Metern über dem Meeresspiegel, direkt vor der Erhebung des Monte Petz, der höchsten Erhebung des Schlerns.

Im Haus stehen 120 Schlafplätze zur Verfügung. Und diese 120 Schlafplätze werden in den Sommermonaten von zahlreichen Gästen auch gerne genutzt. Besucher nahezu sämtlicher Sprachgruppen nehmen die Gelegenheit wahr, auf dem Schlern zu übernachten, um zu früher Morgenstunde einen Sonnenaufgang auf der Hochebene des Schlerns einmal live mitzuerleben. Es handelt sich hier, sofern man eine passende Wetterlage hat, um ein Schauspiel, welches seinesgleichen sucht. Unbeschreiblich ist die Stimmung, wenn der Tag erwacht und sich die ersten Sonnenstrahlen am Horizont zeigen und die Gipfel der umliegenden Dolomiten rosarot einfärben.

Geschichte des Schlernhauses

Der Bau eines Schlernhauses ist Johann Santner zu verdanken, der sich in eine in den 1870er Jahren bestehende Diskussion einmischte. In jener Zeit wurden vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein, Sektion Bozen erste Überlegungen angestellt, ein erstes Schutzhaus zu errichten. Nachdem man sich über den Errichtungsort nicht einigen konnte, wurde von Johann Santner – der übrigens den Nachbargipfel, die Santnerspitze als erster bestieg – der Schlern vorgeschlagen. Nachdem die Gemeinde Völs am Schlern einer Errichtung nicht zustimmte, wurde das Schlernhaus auf dem Gemeindegebiet von Kastelruth errichtet. Beginn des Baus war im Jahr 1883. Die Eröffnungsfeier konnte schließlich am 23.08.1885 stattfinden. Der Ursprungsbau des Schlernhauses bestand „nur“ aus einem 16,5 x 7,93 Meter großen Gebäude mit zwei Schlafsälen, welche insgesamt 50 Schlafplätze boten, und einer Küche. Zusätzlich gab es für die Reittiere ein Nebengebäude.

Dass der Bau des Schlernhauses von den Bergsteigern sehr gerne angenommen und damit der Vorschlag von Johann Santner, das Schutzhaus auf dem Schlernplateau zu errichten, durch die Bürger mehr als bestätigt wurde, zeigt sich daran, dass schon nach sieben Jahren (im Jahr 1892) über eine Erweiterung nachgedacht wurde. Die zentrale Frage war damals nicht, ob eine Erweiterung erforderlich ist. Daran gab es anscheinend wenig Zweifel. Vielmehr wurde diskutiert, ob die Erweiterung in Holz oder in Stein erfolgen sollte. Man entschied sich – wie sich auch heute das Schlernhaus noch zeigt – für die Steinbauweise und eröffnete das erweiterte Schlernhaus am 17.07.1897. Die Bewirtschaftung des erweiterten Schlernhauses wurde ab diesem Zeitpunkt von der Sektion Bozen selbst übernommen. Der bisherige Pächter errichtete in der Nähe des Schutzhauses sein eigenes Gasthaus, welches im Jahr 1903 von der Sektion Bozen erworben wurde und für das Schlernhaus als Schlafgebäude diente.

Das Schlernhaus wurde im Jahr 1908 nochmals vergrößert, da der Platz nicht mehr ausreichte. Durch die neuerliche Erweiterung verfügte das Schutzhaus dann über 100 Schlafplätze. Die Beliebtheit des Schlernhauses zeigt sich daran, dass im Jahr 1911 4.000 Besucher gezählt werden konnten. Aufgrund der Erweiterungsbauten handelt es sich nicht mehr lediglich um ein Haus, weshalb bei dem Schutzhaus von „Schlernhäusern“ gesprochen bzw. geschrieben wird.

Der Erste Weltkrieg war die Ursache dafür, dass das Schlernhaus im Jahr 1914 geschlossen werden musste.

Nachdem sich die Südtiroler Alpenvereinssektionen im Jahr 1819 vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein loslösten, wurde der Alpenverein Bozen gegründet. Dieser verwaltete dann das Schlernhaus, bis der Alpenverein im Jahr 1923 vom faschistischen Italien aufgelöst wurde. Ohne Entschädigung ging durch die Auflösung des Alpenvereins auch das Schlernhaus in das Eigentum des „Club Alpino Italiano“ (C.A.I.) über.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte der neugegründete Alpenverein Südtirol wieder das Schlernhaus in seinen Besitz zu bekommen. Über mehrere Jahrzehnte waren die Anstrengungen jedoch erfolglos, sodass die Verhandlungen schließlich im Jahr 1976 als gescheitert erklärt wurden.

Im Jahr 2010 schaltete sich die Autonome Provinz Bozen-Südtirol ein, vom „Club Alpino Italiano“ das Schlernhaus zu erhalten. Dem C.A.I. wurden zwei Hütten zum Tausch angeboten. Erst im März 2012 wurde sich gegen den Tausch angesprochen, sodass sich das Schlernhaus bzw. die Schlernhäuser noch heute im Besitz des C.A.I. befinden.

Seit dem Jahr 1975 wird das Schlernhaus von der Familie Gasser als Pächter bewirtschaftet. Ab 1975 haben Rudolf und Hilde Gasser das Schlernhaus bewirtschaftet, bis nach mehr als 20 Jahren schließlich der Sohn des Ehepaares, Harald Gasser, das Schlernhaus als Pächter übernommen hat.

Der Schlernkirchtag

Jedes Jahr findet am 13. August der Schlernkirchtag statt. Die Schlernkirche (befindet sich etwa zehn Gehminuten vom Schlernhaus entfernt) ist nämlich dem Heiligen Kassian geweiht. Der Todestag des Heiligen Kassian ist der 13. August, weshalb auch an diesem Tag der Kirchtag gefeiert wird. Im Rahmen dieses Kirchtags steht das Schlernhaus – abgesehen vom religiösen Teil, der beim Schlernkirchlein stattfindet – im Mittelpunkt.

Am Schlernkirchtag – dem „Kaschestog“ – kommen zum Schlernhaus zahlreiche Besucher, die vor dem Haus und auch in den Stuben das Fest feiern. Dass hier hausgemachte Kirchtagskrapfen, Südtiroler Hausmannskost und Südtiroler Wein nicht fehlen dürfen, versteht sich von selbst. Die Musik gibt dem Fest, bei dem keine Bank und kein Stuhl leer bleibt, den passenden Rahmen. Und wenn das Wetter es noch gut meint, wird jedem Kirchtagsbesucher der Kaschestog noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Homepage des Schlernhauses kann unter: http://www.schlernhaus.it aufgerufen werden.

Tipp!

Wer einmal das Schlernhaus erreicht hat, dem wird empfohlen, noch auf den Monte Pez zu wandern. Der Monte Pez ist eine Erhebung direkt vor dem Schlernhaus, auf dem sich auch das Gipfelkreuz befindet. Wandert man über den Monte Pez weiter in nördliche Richtung, erreicht man eine große Weidefläche. Hier kann man bis zum Rand des Schlerns gehen und einen traumhaften Blick genießen. Über den Gipfel der Santnerspitze hinweg liegt einem dann das Schlerngebiet mit Seis am Schlern und Kastelruth, aber auch die Seiser Alm wie eine Miniaturlandschaft sprichwörtlich zu Füßen. Eindrücke von der Aussicht können in der Bildergalerie unter „Bilder Schlern“ gewonnen werden.

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