Edelweiß

Das Märchen vom Edelweiß

Das Edelweiß ist eine der bekanntesten und symbolträchtigsten Alpenblumen und aus der Bergwelt kaum wegzudenken. Um die Blume mit ihren weißen Hochblättern, welche die Kastelruther Spatzen als „die weiße Braut der Berge“ besingen, ranken sich auch Sagen und Märchen.

Ein Märchen vom Edelweiß handelt von einem Zwergenvolk, das einst in einer Höhle eines hohen Berges gewohnt hat. Der König des Zwergenvolkes war so alt, dass er sich nicht einmal mehr an seine eigenen Eltern erinnern konnte. Er war der absolute Herrscher des gesamten Berges. Steine konnte er zu Edelsteinen verwandeln, er konnte fürchterliche Lawinen auslösen und neue Quellen entspringen lassen, je nachdem wie seine Laune war. Eine Quelle jedoch war sein größter Schatz, aus der das Wasser des Lebens floss.

Im Dorf, welches am Fuße des Berges lag, der von dem Zwergenkönig regiert wurde, war ein Bürgermeister, dessen Tochter Berta einerseits schön wie die Sonne, andererseits aber böse wie eine Hexe war. Hinter dem Haus des Bürgermeisters floss ein Bach, der von einer alten Mühle das Rad andrehte. Der Besitzer des Hauses hieß Hans; er besaß einen Kater namens Peter.

Hans bewunderte die schöne Berta und war in sie verliebt. Doch sein Kater sagte ihn immer und immer wieder, dass die schöne Berta nichts für ihn sei. Doch Hans wollte die Ratschläge seines Katers nicht hören. Die Monate und die Jahreszeiten vergingen, doch die Liebe zu Berta quälte Hans weiterhin.

Eines Tages war Kater Peter auf der Jagd nach Feldmäusen. Dabei kam er auch am Fenster von Berta vorbei. Sie war gerade dabei, still und heimlich nach der Mühle und ihrem Besitzer Hans zu blicken. Schließlich entdeckte sie den Kater und streichelte ihn. Dabei sagte sie zu dem Kater: „Du bist der Kater vom Hans, geh´ und grüß´ ihn von mir.

Der Kater ging auf direkten Weg zu seinem Herren und erzählte ihn von seinem Erlebnis mit Berta. Das gab Peter Mut, dass er sich schnell mit seinem Sonntagsgewand kleidete und sich auf den Weg zu Berta machte. Die sagte allerding nur: „Was willst Du von mir, armseliger Müller. Habe ich nicht die beten Partien des Dorfes ausgeschlagen? Dann werde ich doch nicht Dich nehmen, der Du nichts hast als eine alte Mühle und einen Kater!“ Schließlich verjagte sie Hans und fragte dabei noch, wie es mit seinem Mut stehe. „Bring mir doch das Wasser aus der Quelle der Zwerge, die dort oben in den Bergen fließt, wenn Du mich wirklich gern hast“.

Der Weg zu den Zwergen

Zunächst erschrak Hans fürchterlich, als er von dem Wunsch der schönen Berta hörte. Denn schließlich erzählte man sich im Dorf, dass schon jeder auf entsetzliche Art und Weise getötet wurde, der sich das Wasser vom Zwergenkönig holen wollte. Doch Hans sollte nichts davon abhalten, die schöne Berta zu bekommen – nicht einmal der Tod. Und so machte sich Hans auf den Weg in die Berge; der Weg dorthin war lang und beschwerlich.

Auf dem Weg nach oben in die Berge kreiste im Himmel ein Rabe, der so groß war wie ein Huhn. Er schrie Hans zu, dass er zurückkehren solle, ansonsten würde er sterben. Aber Hans dachte niemals ans Aufgeben und ging seinen Weg weiter. In der Hand hielt er fest die Wasserflasche, die er sich mitgebracht hatte. Schließlich kam er an dem Ort an, wo man sagte, dass die wunderbare Quelle floss. Diese war allerdings in Wirklichkeit gar keine Quelle, sondern ein leuchtender Brunnen mit stillem, weißem Wasser. Als Hans seine Flasche mit Wasser füllen wollte, stellte er überrascht fest, dass die Oberfläche des kleinen Sees zu Stein geworden war. Das Füllen der Flasche gelang ihn nach mehreren Versuchen nicht, bis er schließlich einen Stein nahm und diesen auf die Oberfläche schleuderte.

„Nicht für das Leben, für den Tod will ich das Wasser, weil die Liebe, die ich in mir trage, mein Tod sein wird“, rief er, als unmittelbar danach ein Wunder geschah. Der kleine See verschwand und stattdessen waren an jener Stelle 1.000 kleine, weiße samtige Steine. Als er einige dieser samtigen Steine gepflückt hatte, stand ihm ein Heer von Zwergen gegenüber. Diese teilten ihm mit, dass er nun sterben müsse, nachdem er ihren Schatz gestohlen hatte. Sogleich hoben sie ihn hoch und stürzten ihn über den zerklüfteten Felsen in die Tiefe.

Als Hans am Morgen am Fuße des Berges erwachte, lag neben ihm sein Kater Peter. Beide bestaunten die Blume, die er in seiner Hand hielt. Es war eine Blume wie ein weißer Stern, die Blume der Felsen und der Schatz der Zwerge – es war ein Edelweiß.

Hans hatte seitdem nicht mehr an die kapriziöse Berte gedacht und stattdessen eine andere Frau geheiratet.

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