Migg-Höhle

Der Einsiedler vom Schlernbach und seine Höhle

Franz Mich war der Sohn einer Familie aus Atzwang, dessen Vater bei der Eisenbahn als Stationschef beschäftigt war. Der schlechte Verdienst war es letztendlich, der die Familie zwang, für den Franz eine Arbeitsstelle zu suchen. Auch für seine Schwester Elisabeth musste Arbeit gefunden werden. Während Elisabeth auf dem Ritten bei einem Bauern  einen Job fand, kam Franz zu einem Bauern in Obervöls.

Viel hatte Franz bei seinem Arbeitgeber nicht mitzureden. Er musste hart arbeiten. Im Wald, im Stall und auf dem Feld hatte man für Franz, der bald den Spitznamen „Migg“ bekam, reichlich Arbeit.

Der Zweite Weltkrieg brachte es mit sich, dass der Franz nach Österreich auswandern musste. In Österreich waren es auch die Bauern und Handwerker, denen „Migg“ half, bis der lange, furchtbare Krieg zu Ende war.

Franz machte sich nach Kriegsende wieder auf den Weg über den Brenner in sein Heimatdorf Atzwang, in der Hoffnung dort seine Eltern anzutreffen. Als diese allerdings nicht mehr da waren, zog es ihn wieder zurück in den Ort im Schlerngebiet. Über den Völser Weiher wanderte er weiter in Richtung Tuffalm bis unter die Schlernwände bei der Wolfsgrube. Noch aus alten Zeiten wusste Migg, dass sich dort ein riesiger Steinbrocken befand, unter dem eine Höhle ist. In der so genannten Schlernblut-Höhle richtete sich Migg letztendlich sein Lager ein und hatte die feste Absicht – da es ihm in dieser Höhle sehr gut gefiel – hier zu bleiben.

Die Leute in der Gegend kannten den Migg bald sehr gut. Der immer einfach, eigentlich schon ärmlich gekleidete Mann, bettelte an den Bauernhöfen nach Essbarem und konnte sich auch ab und zu über ein wenig Wein, ein Schnäpschen oder Schnupftabak erfreuen. Migg liebte dieses einfache Leben des Einsiedlers in der Schlernblut-Höhle.

Noch heute kann man an der Höhle seine Einstellung zum Leben nachlesen:

"Dor Himmelvouter isch guat!
In Tuifl moug i net!
Die Leit sein olm gsellig!
Vor der Orbat bin i schia!“

Als der Winter kam, musste sich Migg jedoch nach einem anderen Quartier umsehen. Etwas weiter unter Richtung Tal fand er eine relativ flache Höhle, die sich unter einem gewaltig großen Stein im Schlernbach befand. Die „Goaßkirche“, so der Name der Höhle, hatte er als sein „Zuhause“ erklärt.

Ein starkes Gewitter, während dem Migg in seiner Höhle eingeschlossen war und Todesängste durchgemacht hatte, war der Anlass, dass er nicht mehr in seiner Höhle bleiben wollte. So suchte er zunächst bei einem Bauern in Ums einen neuen Unterschlupf und verbrachte schließlich seine letzten Jahre im Altersheim von Völs. Dort ist er dann im Jahr 1977 im Alter von 79 Jahren verstorben.

Höhle kann noch heute besichtigt werden

Die Migg-Höhle kann noch heute besichtigt werden. „A Viertl Roatn und 5 Knödl des mog i olm !“ wird ein typischer Spruch von Migg am Eingang der Höhle zitiert.

Besichtigt man die Höhle, kann man nur erahnen, wie einfach das Leben des Einsiedlers Migg damals gewesen ist. Doch auch das Reizvolle, inmitten der Natur und der Berge zu leben, kann vom aufmerksamen Besucher nachempfunden werden.

Die Migg-Höhle bzw. die „Goaßkirche“ befindet sich zwischen Obervöls und Ums, die nur über die Forststraße zu erreichen ist. Wandert man von der Tuffalm zur Hofer Alm, zweigt eine Straße links in den Schlernbach ab.

Auf einem schmalen Steig kommt man nach nur zwei Gehminuten zu der sehenswerten Migg-Höhle. Hier sind noch heute die Einrichtungsgegenstände von Migg – vom Bett bis zum einfachen Kochgeschirr – vorhanden sind. Es ist empfehlenswert, eine Taschenlampe mitzunehmen, um den Innenraum der Höhle besser sehen zu können.

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