Leo Santifaller

Der Kastelruther Ehrenbürger Leo Santifaller

In großen Lettern ist auf der Mittelschule von Kastelruth, welche sich direkt bei der Tiefgarage im Zentrum des Ortes bzw. am Busbahnhof befindet, der Name „Leo Santifaller“ zu lesen. Zudem weist eine Gedenktafel im Kirchenraum der Kastelruther Unserfrauen-Kirche auf den Ehrenbürger Leo Santifaller hin. Gar mancher, der Kastelruth im Südtiroler Schlerngebiet besucht, stellt sich die Frage, wer dieser Mann denn überhaupt war.

Leo Santifaller kam am 24.07.1890 in Kastelruth auf einem Hof zur Welt und ist der erstgeborene Sohn des Notars Santifaller. Die Familie Santifaller selbst kommt aus Wolkenstein im naheliegenden Grödner Tal und siedelte bereits im 17. Jahrhundert nach Kastelruth über.

Schon während seiner Schulzeit traten Santifallers besondere Begabungen auf den Gebieten der Literatur und der Kunst zu Tage. Als 21jähriger entschied sich Satifaller, Geschichte zu studieren. Diese Entscheidung traf Santifaller, nachdem er Oswald Redlich, einen Historiker und Diplomatiker, begegnet war. Er studierte an der Universität Wien und promovierte im Jahr 1919. Während seiner Studienzeit nahm er sich dem Pfarrarchiv von Kastelruth an. Er ordnete das Archiv und hatte dabei zahlreiche historische Dokumente gesammelt, welche aus der Zeit vor 1570 stammten. Diese wurden sogar im Jahr 1923 in Innsbruck publiziert.

Nachdem er nach dem Studium auf dem Gebiet der Geschichtsforschung spezialisiert war, arbeitete er in den Jahren von 1921 bis 1926 als Archivar an dem damals in Bozen neu eingerichteten Staatsarchiv. Seine Doktorarbeit, welche sich mit der Personengeschichte des Domkapitels Brixen beschäftigte, publizierte er während dieser Zeit ebenfalls.

Im Jahr 1927 wurde Santifaller nach Berlin berufen. Paul Fridolin Kehr holte ihn als Mitarbeiter – als wissenschaftlichen Assistenten – der Monumenta Germaniae Historica, kurz: MGH. Zu diesem Schritt verhalfen ihm seine Publikationen, welche in der internationalen Fachwelt Beachtung fanden. In Berlin habilitierte Santifaller und erhielt im Jahr 1929 in Breslau eine ordentliche Professur. Im Jahr 1943 erhielt er im Anschluss eine Professur in Wien, welcher er auch bis 1962, dem Jahr seiner Emeritierung, ausübte.

Sein organisatorisches Talent und sein Fleiß hatten Leo Santifaller Zugang zu wichtigen Stellen verschafft. So war Santifaller neben den bereits beschriebenen Tätigkeiten auch in der Zeit von 1945 bis 1954 Generaldirektor des österreichischen Staatsarchivs, von 1956 bis 1964 Direktor des österreichischen Kulturinstituts in Rom und von 1945 bis 1962 Direktor des Instituts für österreichische Geschichtsforschung.

Wenn es Leo Santifaller möglich war, in seine Heimat – das Schlerngebiet – zurückzukehren, tat er dies auch. Sooft es ging, kam er nach Seis und Völs. Hier publizierte er auch immer wieder in den Lokalblättern Artikel. Seinen letzten Artikel veröffentlichte er nur wenige Monate vor seinem Tod. Leo Santifaller verstarb am 05.09.1974 in Wien.

Seine Schwerpunkte

Santifaller hatte bei seiner Forschung die Geschichte Südtirols, der Liber Diurnus (der Sammlung von Schriften päpstlicher Verwaltung in Rom), der Diplomatik und das ottonisch-salische Reichskirchensystem als Schwerpunkt gesetzt.

In den 1920er Jahren legte Leo Santifaller als Diplomatiker seinen Schwerpunkt auf die Urkunden des Domkapitels Brixen, in den 1930er Jahren beschäftigte er sich mit der Leitung des Schlesischen Urkundenbuches. Danach mit dem „Censimento“. Das Censimento ist ein Verzeichnis, welches in Österreich alle überlieferten Papsturkunden enthält (von Innozenz III. bis Martin V.).

Seine Auszeichnungen

Seinem Heimatort Kastelruth und dem Schlerngebiet blieb Leo Santifaller immer verbunden. Er erhielt von dem heute bekannten Ferien- und Urlaubsort am Fuße der Seiser Alm die Ehrenbürgerschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Santifaller aufgrund seiner Verdienste auf dem Gebiet der Geschichtsforschung zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland. Im Jahr 1961 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst und im Jahr 1970 mit dem Wilhelm-Hartel-Preis ausgezeichnet.

In Kastelruth ist die Mittelschule nach Leo Santifaller benannt. Zudem wurde in Wien (22. Bezirk) eine Straße – die Santifallerstraße – nach ihm benannt.

Quellen: Schlernsüchtig, Praxis3-Verlag; Wikipedia; Gedenktafel Kastelruth

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