Bauernmuseum St. Oswald

Das Bauernmuseum am Tschötscherhof in St. Oswald

Kommt man heute in das Schlerngebiet, kann man sich das Leben, wie es vor mehreren Jahrhunderten in dieser Bergregion war, nur schwer – wenn überhaupt – vorstellen. Die gesamte Region ist einerseits vom Tourismus geprägt, andererseits übernehmen die landwirtschaftlichen Arbeiten, die früher von Hand unter schwersten Bedingungen ausgeführt werden mussten, heute größtenteils Maschinen.

Um das Leben im Schlerngebiet zur damaligen Zeit für die Besucher lebendig werden zu lassen, wurde in St. Oswald ein Bauernmuseum eingerichtet. Schon alleine der Ort, der sich unterhalb von Kastelruth befindet, bietet hierzu optimale Bedingungen. St. Oswald besteht nur aus wenigen Höfen, der Alltagsstress scheint hier ein Fremdwort zu sein. Fernab vom Trubel und der Hektik des Alltags kann ein Besucher in St. Oswald – hier wohnt übrigens auch Norbert Rier, der Bandleader und Sänger der Kastelruther Spatzen – Ruhe pur genießen.

Doch so idyllisch der Ort auch sein mag – das Leben war in der Vergangenheit äußerst beschwerlich. Um genau in jenes Leben Einblicke zu erhalten, lohnt sich ein Besuch des Bauernmuseums, welches in einem mehr als 500 Jahre alten Bauernhof am Tschötscherhof beherbergt ist und auf seine Gäste wartet.

Die Ausstellung

In dem alten Bauernhof werden auf zwei Ebenen zahlreiche Handwerksgeräte und –maschinen ausgestellt, die zum damaligen Überleben der Bauern im Einsatz waren. Hierbei handelt es sich um Ausstellungsstücke, die heute größtenteils gar nicht mehr im Einsatz sind und schon längst durch moderne Maschinen ersetzt wurden und evtl. nur noch von Erzählungen der Großeltern bekannt sind. Handwerksgeräte, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte zur Wollerzeugung und für den Haushalt sind die Zeugen der Vergangenheit.

Der Besucher des Bauernmuseums wird erfahren, dass das Handwerk in St. Oswald eine wichtige Rolle spielte. Dies kommt daher, dass die Bewohner der Kastelruther Fraktion durch fehlende hauptberufliche Handwerker und Geldknappheit gar keine andere Wahl hatten, als selbst auf unterschiedlichste Art handwerklich tätig zu werden. Verstärkt wurde dies dadurch, dass die Bergbauern stets danach strebten, sich selbst zu versorgen.

Das holzverarbeitende Handwerk wird auf dem Tschötscherhof bis heute noch betrieben, allerdings nur noch für den Eigenbedarf. Hergestellt wurde in St. Oswald damals so gut wie alles, was die Bauern zum Leben und Überleben benötigten. So wurden nicht nur Geräte für Pferde- und Ochsenfuhrwerke hergestellt. Sogar maßgeschneiderte Särge für die Verstorbenen St. Oswalds gehörten zum „Repertoire“ der holzhandwerklichen Kunst der Bauern.

Brauchtum und Glaubensüberzeugung

Ausgestellt werden in dem Bauernmuseum nicht nur Maschinen und Geräte. Das Museum gibt auch Einblicke in Brauchtum und Glaubensüberzeugung der damaligen Bewohner von St. Oswald. Nahezu lebendig wird für die Besucher die Verbundenheit mit Gott und zur Natur. So können beispielsweise auf gestickten Stoffstücken Sprüche wie:

„Frage nicht, was Menschen sagen. Tue ruhig deine Pflicht. Gott wird nicht die Menschen fragen, wann er dir dein Urteil spricht“ oder „Jesus gibt zur Himmelsreise sein eigenes Fleisch und Blut zur Speise“ gelesen werden.

Dass jegliche Hilfe nicht auf dieser Erde gesucht werden soll, wird mit der Aussage verdeutlicht: „Treibt dich dein Lebenslauf, blicke zum Himmel auf. Menschen lass Menschen sein, helfen kann nur Gott allein.“

Im Übrigen hatten die Bergbauern stets die Auffassung, dass der Verstorbene direkt nach dem Tod Gott zum persönlichen Gericht begegnet. Aus diesem Grund wurde alles dafür getan, dass sich der Sterbende in der Sterbestunde auf diese Begegnung, in der sich der weitere Weg in den Himmel oder in die Hölle entscheidet, vorbereiten kann. Noch heute ist der Brauchtum um Sterben und Tod fest in der Bevölkerung verankert. So ist in dem Bauernmuseum auch eine Teilfläche zu diesem Brauchtum reserviert. Für den Besucher wird nachvollziehbar dargestellt, wie die Bevölkerung mit dem Tod – von der Sterbestunde und der Hausaufbahrung bis hin zum Begräbnis – umgegangen ist.

Beeindruckend ist, wie die Bevölkerung auch noch heute das Jenseits im Bewusstsein hat und sich bewusst ist, dass eine Bindung an das Diesseits und an die materiellen Güter gar nichts bringt, um die Ewigkeit bei Gott zu verbringen.

Öffnungszeiten

Das Museum ist von März bis November täglich, außer mittwochs, von 09:00 Uhr bis 20:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt in das Museum ist frei, eine freiwillige Spende für die großzügigen Einblicke in das damalige Bauernleben in St. Oswald ist möglich.

Wer sich nach dem Besuch des Bauernmuseums noch etwas stärken möchte, dem wird empfohlen, den Gasthof des Tschötscherhofs aufzusuchen. Die Betreiber des Tschötscherhofs bieten eine typisch Südtiroler Küche an und verwöhnen die Gäste auch kulinarisch.

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