Prügelsteig

Der Prügelsteig von Völs auf den Schlern

Wer von Völs am Schlern auf den Hausberg und zugleich den Namensgeber des Südtiroler Schlerngebietes wandern möchte, der kann unter anderem den sogenannten „Prügelsteig“ (teilweise auch Prügelweg oder Knüppelweg genannt) nehmen. Beim Prügelsteig handelt es sich um einen Wegabschnitt zwischen Peterfrag und der Sesselschwaige und zählt zu den beeindruckendsten Wanderwegen rund um den Schlern.

Beim Prügelsteig handelt es sich um einen romantischen Weg, der durch eine etwa einen Kilometer lange Klamm bzw. Schlucht an der Südwestseite des Schlerns führt, die der Schlernbach im Laufe der Zeit in das Felsgestein geschnitten hat.

Vor allem in den Sommermonaten bietet der Wegabschnitt im Schatten der Dolomitenfelsen eine angenehme Kühle, bei der das Wandern besonders angenehm ist. Der Aufstieg zum Schlern ist – im Vergleich zum Touristensteig – über Peterfrag (wird teilweise auch Peter Frag bezeichnet) und die Sesselschwaige und damit über den Prügelsteig anstrengender, aber aufgrund der Romantik besonders lohnend. Wer den Aufstieg über einen anderen Weg bewältigt, dem wird auf jeden Fall der Abstieg über den Prügelsteig empfohlen (Näheres auch unter: Schlernwanderung), da das Wandern auf diesem Wegabschnitt ein ganz besonderes Erlebnis darstellt.

An den Tagen des Viehauftriebs und des Viehabtriebs sollte man den Prügelsteig allerdings meiden. An diesen Tagen ist der Prügelsteig vom Weidevieh belagert, das den Weg auf den Schlern bzw. in das Tal nehmen muss.

Der Prügelsteig und die Viehauf- und abtrieb

Die „Pruggn“, wie der Prügelsteig teilweise schlicht und einfach von den Einheimischen bezeichnet wird, hat seinen Namen von den Holzbohlen – diese bestehen aus längs gespaltenen Lärchenholzstämmen – erhalten, welche quer über den Schlernbach angebracht wurden.

Die Holzbohlen sorgen vor allem dafür, dass die Huftiere im Sommer auf den Schlern aufgetrieben bzw. im Herbst vom Schlern abgetrieben werden können.

Seit Zeiten spielt der Schlern für die Weidewirtschaft eine bedeutende Rolle. Das Vieh kann über den Schäufelesteig, dem direkten Weg auf den Schlern, nicht auf- bzw. abgetrieben werden, da dieser zu steil ist. Der Weg über die Seiser Alm und den Touristensteig ist ebenfalls nicht machbar, da es sich hier um einen zu großen Umweg handelt. Damit bleibt nur der Pfad durch die Schlucht des Schlernbachs und damit den Prügelsteig.

Das Vieh wird jährlich Anfang Juli auf den Schlern aufgetrieben und etwa Anfang bis Mitte September wieder abgetrieben; der genaue Termin ist ein Stück weit vom Nahrungsangebot auf den Hoch- und Niederweiden des jeweiligen Jahres abhängig.

Die Geschichte des Prügelsteigs

In den frühesten Anfängen des Prügelsteigs wurden die Holzbohlen direkt quer über den Boden und das Bachbett verlegt. Dies führte dazu, dass das Holz aufgrund der hohen Feuchtigkeit schnell morsch wurde und der Prügelsteig einen hohen Aufwand für die Instandhaltung erforderte. Damals wurden für die Instandhaltung noch die Bauern verpflichtet, wobei jeder Bauer ein entsprechendes Arbeitskontingent einbringen musste.

Im Jahr 1994 hatte der Prügelsteig nach einem Unwetter Schäden aufgewiesen, welche ein Generalsanierung unumgänglich machten. Daher wurde im Folgejahr eine aufwändige Sanierung durchgeführt, bei der erstmals die Holzbohlen nicht mehr direkt am Boden und am Bachbett, sondern in einer Höhe von zwei bis drei Metern über dem Grund verlegt wurden. Hierfür musste eine tragende Struktur geschaffen werden, welche aus Stahl besteht und über Dreieckskonsolen an beiden Seiten auf der Schlernbachschlucht aufliegen.

Insgesamt wurden beim Prügelsteig 25 Tonnen Stahl verbaut. Der Prügelsteig hat insgesamt fünf Brücken, die eine Länge zwischen 15 und mehr als 100 Metern haben.

Als im Jahr 1995 der Prügelsteig generalsaniert wurde, war dieser über das ganze Jahr hinweg gesperrt. Folglich konnte auch der Auftrieb und Abtrieb des Viehs in diesem Jahr nicht über den Prügelsteig erfolgen. Dies erfolgte über den Zirmwaldsteig, der oberhalb der Schlucht verläuft. Das stellte sich allerdings sehr risikoreich dar, was die Bedeutung des Prügelsteigs unterstreicht.

Schon im Jahr 2010, also 15 Jahre nach der ersten aufwendigen Generalsanierung, zeigte der Prügelsteig erneut Sanierungsbedarf. Die Brücken und Trassen hatten Schaden genommen, die auf die Feuchtigkeit in der Schlucht zurückzuführen sind. In den Sommermonaten 2011 und 2012 wurde daher eine erneute Sanierung des Prügelsteigs notwendig (s. auch: Schlern, Prügelweg gesperrt), in Rahmen derer insgesamt nahezu 8.000 Arbeitsstunden eingebracht wurden. Für den Viehauf- und –abtrieb wurde der Prügelsteig in den beiden Jahren allerdings provisorisch geöffnet, damit dieser nicht wieder über den riskanten Zirmwaldsteig erfolgen musste.

Künftige erforderliche Sanierungen des Prügelsteigs sollten sich leichter darstellen. Im Rahmen der letzten Arbeiten wurde ein Schwerpunkt beim Prügelsteig darauf gesetzt, dass von der tragenden Struktur die einzelnen Bauteile und Elemente einzeln ausgetauscht und erneuert werden können.

Die geklobenen Lärchenholzstämme

Bei den Lärchenholzstämmen, die beim Prügelsteig zum Einsatz kommen, handelt es sich um geklobene Holzstämme. Diese wurden stets vor Ort längs gespalten und stellen damit einen relativ rutschfesten Untergrund dar. Ein Nachteil ist dafür, dass es sich um ziemlich scharfkantige Holzstämme handelt, was jedoch aufgrund der Rutschfestigkeit gerne in Kauf genommen wird. Ansonsten würde der Untergrund aufgrund der Feuchtigkeit in der Schlucht sehr rutschig und folglich auch sehr gefährlich sein.

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