Sankt Vigil-Kirche

Die Sankt Vigil-Kirche, Seis

In der Kastelruther Fraktion St. Vigil befindet sich die St. Vigil-Kirche, welche dem heiligen Vigilius geweiht ist. Damit haben die etwas mehr als 100 Einwohner von St. Vigil ein eigenes Gotteshaus.

Die St. Vigil-Kirche wurde in einer bewaldeten Felsschlucht erbaut. Daher sieht man von vielen Stellen der umliegenden Umgebung nur den Kirchturm aus der Schlucht emporragen. Weshalb die Kirche an diesem sicherlich ungewöhnlichen Ort erbaut wurde, ist leider nicht bekannt und kann daher nur gemutmaßt werden. Da sich in unmittelbarer Nähe der Kirche das Runker Eck, eine bekannte archäologische Stätte, befindet, geht man davon aus, dass der Erbauungsort mit einem alten Wasserkult zusammenhängt. Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass etwa zwanzig Meter von der Kirchenvorhalle eine Quelle entspringt. Die Quelle führt nur sehr wenig Wasser und fließt auch nicht das ganze Jahr.

Sicherlich ist die Annahme, dass die Kirche einst in St. Valentin (oberhalb von Seis am Schlern) erbaut wurde und durch einen Erdrutsch an ihre heutige Stelle gelangte, in das Reich der Sagen zu verbannen.

Die Kirche wurde bereits im 14. Jahrhundert erbaut. Das genaue Erbauungsjahr ist leider nicht bekannt, doch die erste Erwähnung der Kirche stammt aus der Zeit um 1353. Die Kirche, wie sie heute vorzufinden ist, stammt aus dem 15. Jahrhundert. In diesem Jahrhundert wurde die Kirche vollständig neu erbaut. Geht man nach einer Sage, wurde der erste Kirchenbau durch einen Bergsturz zerstört.

Die Kirche von außen

Bei der St. Vigilkirche handelt es sich um einen spätgotischen Bau. Dass der Kirchenbau sämtliche Merkmale eines qualitativen und stilistischen Kirchengebäudes vorzuweisen hat, ist ein Indiz für hohe und reiche Stifter. Auf den Wandkonsolen befinden sich zudem Wappen des Gerichtes Zwingenstein vom Ritten und der Herren von Wolkenstein. Diese könnten damit zu den Stiftern der Kirche gehören.

Die Kirche besteht aus dem Kirchenschiff. Eine feingearbeitete Sockelschräge, ein Dachgesims und der Kirchturm runden das Gesamtbild der Außenansicht ab. Im Westen befindet sich eine Spitzbogentüre. Die davor befindliche Vorhalle wurde für Betende und Pilger angelegt.

Besondere Beachtung sollte auch die in Stein gemeißelte virtuose Fratze in der Nähe des nördlichen Zugangs zur Kirchenvorhalle erhalten. Dabei handelt es sich sicherlich um das Abbild eines wilden Mannes. Diese Fratze diente wahrscheinlich als Abwehrzeichen. Die sagenhaften Gestalten wurden auf Ladinisch „salvans“ bezeichnet.

Das Kircheninnere

Wer einmal die Gelegenheit hat, sich die Kirche von Innen anzusehen, sollte diese auch wahrnehmen. Von außen wirkt die Kirche auch bedingt dadurch, dass sich diese in einer Schlucht befindet, eher klein. Doch Besucher, die die Kirche erstmals von Innen besichtigen, sind nicht selten erstaunt, wie großzügig  und lichtdurchflutet sich das Gotteshaus zeigt.

In der Kirche ist der schmucke Kirchenaltar das sehenswerte Prunkstück. Bei dem Kirchenaltar handelt es sich um einen Flügelaltar. Im aufgeklappten Altar sind drei Figuren zu sehen. Auf der linken Seite befindet sich St. Vigilius, der Namenspatron der Kirche von St. Vigil; in der linken Hand hält Sankt Vigilius ein aufgeschlagenes Buch, in der linken Hand den Bischofsstab mit einem Holzschuh. Mit einem Holzschuh soll er während seines Martyriums zu Tode getroffen worden sein. In der Mitte des Altars ist Maria mit dem kleinen Jesuskind im Arm und auf der rechten Seite die Heilige Nikolaus (mit den drei Goldkugeln auf einem Kissen, welche Mitgift für seine drei Töchter für eine standesgemäße Hochzeit waren) zu sehen. Auf der Innenseite des linken Flügels des Altars ist Sankt Blasius dargestellt, auf dem rechten Altarflügel die Heilige Katharina von Alexandrien.

Auf den Altarflügeln des zugklappten Altars ist auf der linken Seite Jakobus (mit dem Attribut des Wanderstabes) und auf der rechten Seite Simon (mit dem Attribut der Säge) zu sehen. Im Sockel des Altars, der sogenannten Predella, ist die Geburt Jesu Christi zu sehen.

An der linken Seite im Kircheninneren befindet sich ein aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert stammender gemauerter Steinaltar. Hier ist in der Mitte der sterbende Jesus in den Armen von Maria zu sehen. Links daneben ist St. Ottilia, rechts St. Elisabeth von Thüringen zu sehen. Auf der rechten Seite im Kircheninneren befindet sich die Kanzel. Im hinteren Teil der Kirche befinden sich an den Wänden Ölgemälde, mit denen der Kreuzgang Jesu gezeigt wird.

Eine Holzfigur, welche Sankt Vigilius darstellt, befindet sich in einer Nische im Eingangsbereich der Kirche.

Die drei Glocken der Sankt Vigil-Kirche läuten (seit dem Jahr 1991 elektrisch) zu Ehren von Maria, Sankt Kassian und natürlich von Sankt Vigilius.

Der Namenspatron der Kirche

Sankt Vigilius, der Namenspatron der Kirche, ist als „Vigilius von Trient“ bekannt, wurde um 355 nach Christus in Rom oder Trient geboren. Verstorben ist er mutmaßlich im Juni 405. Wie man annimmt, ist der tatsächliche Todestag der 26. Juni, weshalb an diesem Tag auch sein Namensfest gefeiert wird. Vigilius ist ein lateinischer Name und bedeutet übersetzt „der Wachsame“.

Dass gerade in Südtirol einige Kirchen Sankt Vigilius als Namenspatron, so auch die Kastelruther Fraktion St. Vigil, erwählt haben, hat damit zu tun, dass er in diesem Landstück gewirkt hat. Schwerpunktmäßig war er im oberen Etschtal als Missionar unterwegs; er wirkte aber auch in der weiteren Umgebung von Trient bis zum südlichen Gardasee. Zahlreiche Pfarren und Kirchen wurden auf seine Veranlassung hin errichtet.

Mit seinen Eltern kam Vigilius nach Trient. Später kam er auch nach Athen, wo er seine theologische und philosophische Ausbildung erhielt. Als er 380 nach Christus wieder nach Trient zurückkehrte, hatte er durch seine Bildung und gleichzeitigen Bescheidenheit überall Bewunderung bekommen, was ihm die Wahl per Akklamation zum Bischof im Jahr 385 brachte. Seine Predigten überzeugten die Mitmenschen und waren sogar Anlass dafür, dass sie zur Gründung von zirka 30 neuen Gemeinden führten. Ein Hauptbetätigungsbereich von Vigilius war die Aufklärung gegen Götzendienste, welche ihm letztendlich den Tod durch das Martyrium brachte. Im Trentiner Rendenatal verkündigte er unter den Anhängern des Saturn-Kultes den christlichen Glauben und feierte auch die Heilige Messe. Große Empörung zog letztendlich die Zerstörung der Saturn-Staue nach sich. Als er die Statue in den Fluss Sarca warf, steinigten ihn die Kultanhänger, und wie man berichtet hatten sie dafür unter anderem schwere Holzschuhe verwendet. Deshalb wird Vigilius in künstlerischen Darstellungen neben einem Bischofsstab auch mit einem Holzschuh gezeigt.

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