Rosengartengebirge

Die Legende vom Hexenmeister Kachler von Tiers

In der Bergwelt Südtirols gibt es eine ganze Reihe an Sagen und Legenden, welche sich die Leute erzählen und auch von Generation zu Generation weitergeben. Auch im Schlerngebiet, wo die westlichen Dolomiten zu finden sind, gibt es eine Reihe an Sagen. Eine davon handelt vom Hexenmeister von Tiers und erzählt die Geschichte, die sich einst am Fuße des Rosengartengebirges ereignet haben soll.

Um einen Eindruck der Legende zu bekommen, sollte vorab das traumhafte Gebiet rund um Tiers am Rosengarten verdeutlicht werden. Der Ort liegt am Fuße des weit bekannten Rosengartengebirges. In der Abenddämmerung leuchten die Felswände des Rosengartens so rot, wie man es nur selten sieht. Nicht umsonst zählt das Rosengartengebiet zu den beliebtesten Urlaubsgegenden Südtirols und lockt jährlich zahlreiche Besucher an, die einen alpinen Urlaub verbringen möchten.

Tiers und der Hexenmeister

Damals lebte in Tiers am Rosengarten ein Hexenmeister, der als Hexenmeister Kachler oder als Kachler-Hans bekannt war. Er war im Besitz eines scharlachroten Zaubergürtels mit kleinen weißen Steinen. Diesen Zaubergürtel hatte er in der Heiligen Dreikönigsnacht von zwölf Gespenstern erhalten, die auf ihren feurigen Rossen in der Gegend umherritten und mit ihrem Licht das Rosengartengebirge anstrahlten.

Sobald der Hexenmeister den Gürtel angezogen hatte, hatte er die unglaubliche Kraft von zwölf Männern.

Der Hexenmeister war sich seiner übernatürlichen Kräfte bewusst und hatte es mit den Menschen im Ort nicht gut gemeint. Er hatte keine Freunde und erfreute sich daran, anderen Menschen Leid zuzufügen. So hatte er während der Erntezeit das Getreide und Futter der Bauern zerstört, dass diese mühevoll angebaut hatten. Den Menschen drohte daher Not und Hunger.

Die Männer von Tiers am Rosengarten beschlossen, dem Treiben des Hexenmeisters ein Ende zu setzen. Sie wussten jedoch von dem Zaubergürtel, der dem Hexenmeister übernatürliche Kräfte verlieh. Von daher plante sie, ihm zunächst den Zaubergürtel zu entreißen und ihn danach zu eliminieren.

Eines Tages überfielen sie ihn in Welschnofen, einem Nachbarort südlich von Tiers am Rosengarten. Da der Hexenmeister nicht mit dem Angriff gerechnet hatte, gelang es den Bauern, während einer ihn an seinem langen Bart festhielt, ihm den roten Zaubergürtel zu entreißen. Und sofort war der Hexenmeister nurmehr ein schwacher, alter und hilfloser Mann.

Die Bauern fesselten den Hexenmeister und führten ihn vor das Gericht, das ihm zum Tode auf den Scheiterhaufen verurteilte.

Der Tschanstein auf der Seiser Alm

Wandert man vom Compatsch auf der Seiser Alm in östliche Richtung (also die Almstraße in Richtung Ritsch-Schwaige), befindet sind auf der linken Seite am Wegesrand ein großer Stein. Hierbei handelt es sich um den Tschanstein – auch „Cionstoan“ genannt.

Gar mancher Wanderer hat sich schon die Frage gestellt, wie dieser große Felsbrocken genau in diese Stelle gekommen ist. Auch hierüber gibt es eine Sage, die zu berichten weiß, dass der Hexenmeister Kachler den Felsbrocken einst während eines Wutausbruchs mit bloßer Kraft aufgehoben und vom Schlern genau bis zu der Stelle geworfen hat, an der er noch heute liegt. Sicher kann davon ausgegangen werden, dass er während des Steinwurfs seinen scharlachroten Zaubergürtel trug!

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