Prösels

Prösels, eine Fraktion von Völs am Schlern

Wer im Südtiroler Schlerngebiet von „Prösels“ spricht, der meint in den meisten Fällen das Schloss Prösels. Doch um dieses bekannte Schloss und historische Gemäuer herum befindet sich eine kleine Siedlung – der gleichnamige Ort Prösels.

Prösels ist eine Fraktion der Gemeinde Völs am Schlern, die wiederum ein Hauptort des Südtiroler Schlerngebietes ist und seit dem Jahr 2003 auch offiziell als Kurort um die Gäste wirbt. Von den insgesamt knapp 3.500 Einwohnern der Gemeinde Völs am Schlern entfallen auf die Fraktion Prösels zirka 150 Einwohner.

Der Ort Prösels liegt auf einer Höhe von 830 Metern über dem Meeresspiegel südlich von Völs am Schlern. Um nach Prösels mit dem Auto zu gelangen, verlässt man Völs am Schlern über die Straße, die hinunter nach Blumau führt. Nach etwa zwei Kilometern zweigt in einer Rechtskehre eine steil (Steigung: 28 Prozent) nach oben führende Straße nach Prösels ab. Alternativ kann man nach Prösels auch über die Straße gelangen, die von der Verbindungsstraße zwischen Prösler Ried und Aicha (diese Straße führt weiter nach Tiers im Rosengarten-Latemargebiet) abzweigt.

Das Dorfbild von Prösels wird natürlich von dem erhabenen Schloss geprägt. Ansonsten sind die Burgkapelle „Zur Heiligen Anna“, die St. Nikolaus-Kirche und der oberhalb des Schlosses befindliche Pulverturm markante Punkte, die dem Ort sein unverwechselbares Erscheinungsbild verleihen. Die Kulisse bilden der Schlern, auf dessen Südwand man von Prösels direkt blickt, die Völsegg-Spitz und der Tschafon. Die Häuser sind im typischen Tiroler Stil erbaut und über das teils steile besiedelte Ortsgebiet verteilt.

Das Schloss Prösels

Zweifelsohne ist das Schloss Prösels die größte Attraktion der Völser Fraktion, die die Besucher des Schlerngebietes und des Umlandes nach Prösels zieht. Betrachtet man die Bauweise des Schlosses, wird man auch schnell verstehen, weshalb eine derart steile Straße nach Prösels führt. Das Schloss wurde nämlich auf einem Hügel erbaut, welcher an drei Seiten nahezu senkrecht in die Schlucht des Schlernbaches abfällt. Strategisch liegt das Schloss Prösels an einer günstigen Stelle, denn hier trifft der Weg vom Eisacktal auf den sogenannten Urweg, welcher von Völs am Schlern über Tiers am Rosengarten und den Karerpass in das Fassatal führt.

Erstmals wurde das Schloss Prösels im Jahr 1279 urkundlich erwähnt. Die Erbauungszeit, damals noch als Burg Prösels, geht allerdings auf die Jahrhundertwende vom 12. in das 13. Jahrhundert zurück. Eine größere Veränderung erfuhr das Gemäuer Anfang des 16. Jahrhunderts, für die Leonhard von Völs verantwortlich war. Die Familie der Freiherren von Völs war bislang die Familie, die das Schloss am längsten in Besitz und damit das heutige Aussehen maßgeblich geprägt hatte. Auf die strategisch gute geographische Lage des Schlosses ist es zurückzuführen, dass dieses damals als Familiensitz der Freiherren von Völs gewählt wurde und auch für Verteidigungsfälle bestens geeignet schien. Daher wurde Schloss Prösels mit der seinerzeit modernsten Wehr- und Verteidigungstechnik ausgestattet. Es diente damals der Abwehr von Feinden und zugleich dem Bedürfnis nach Repräsentation und Wohnkomfort.

Ereignisse, welche sich Anfang des 16. Jahrhunderts auf Schloss Prösels ereigneten, werfen sicherlich einen dunklen Schatten auf die Geschichte des Schlosses. In den Jahren zwischen 1506 und 1510 wurden auf Schloss Prösels, welches auch der Sitz des Landgerichts Völs war, die sogenannten Hexenprozesse durchgeführt, bei der etwa 30 Personen zum Tode verurteilt wurden. Auf diese tragischen Hexenverbrennungen macht heute ein Denkmal am Eingang zur Burg aufmerksam, welche die Gemeinde Völs am Schlern errichten ließ. Auf diesem Denkmal ist folgendes zu lesen: „Die Gemeinde Völs am Schlern gedenkt ihren vor 500 Jahren als Hexen und Zauberer verurteilten Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ihr Feuertod auf dem Scheiterhaufen der Unwissenheit und Verblendung sei uns Nachgeborenen eine Mahnung und mache uns wachsam gegen Intoleranz und jede Form der Ausgrenzung“.

Im Zuge des Bauernkrieges im Jahr 1525 wurde das Schloss Prösels von aufständischen Bauern besetzt.

Leider nagte der Zahn der Zeit an dem Gemäuer von Schloss Prösels, so dass dieses immer mehr dem Verfall preis gegeben wurde. Dem Engagement privater Personen ist es zu verdanken, dass der Verfall letztendlich verhindert werden konnte. Das Kuratorium Schloss Prösels GmbH ist seit dem Jahr 1981 im Besitz des Schlosses. Nicht nur, dass dieses Kuratorium das Schloss Prösels restauriert hatte und sich der Erhaltung und den Bestand des Schlosses hervorragend annimmt – auch durch die Initiierung von zahlreichen Kulturveranstaltungen ist das Schloss Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen, die jährlich viele Besucher anlocken und das alte Gemäuer damit mit Leben füllt. So kommen die Besucher zu kulturellen Veranstaltungen auf das Schloss Prösels, von Konzerten über Ausstellungen bis hin zu Theateraufführungen, die hier stattfinden.

Burgkapelle Zur Heiligen Anna

Das Schloss Prösels verfügt über eine Burgkapelle. Diese Burgkapelle wurde der Heiligen Anna geweiht. Bei der heiligen Anna handelt es sich um Anna Selbdritt, die die Mutter der Jungfrau Maria sein soll. Anna Selbdritt wird, sofern sie bildlich dargestellt wird, meist mit Maria und dem Jesuskind abgebildet.

Ein kleines Manko der Burgkapelle ist, dass die damalige prachtvolle Ausstattung der Burgkapelle Zur Heiligen Anna nicht mehr vollständig vorhanden ist bzw. nur noch Kopien besichtigt werden können. So war die Burgkapelle Zur Heiligen Anna damals mit einem wertvollen Tafelbild ausgestattet, von dem heute lediglich noch eine Kopie vor Ort ist. Das Original dieses Tafelbildes kann im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum besichtigt werden. Auf diesem Tafelbild ist die (einzige) bildliche Darstellung von Leonhard von Völs und seiner Familie zu sehen. Auf den Altarflügeln wird Anna Selbdritt abgebildet, allerdings nicht als dritte Person neben Maria und Jesus, sondern als Einzelperson. Damit wird ihr als Patronin der Burgkapelle der gebührende Einzelplatz gegeben.

Pulverturm

Etwas oberhalb und südöstlich von Schloss Prösel befindet sich der Pulverturm, welcher über einen Fußweg zu erreichen ist. Dieser Fußweg ist vom Schloss bestens ausgeschildert und führt über einen Wiesensattel auf die Anhöhe zu dem Gebäude. Beim Pulverturm handelt es sich um einen Wehrbau, welcher bereits im frühen 13. Jahrhundert errichtet wurde. Es lohnt sich ein Besuch dieses Turmes, der frei zugänglich ist. Vom Turm hat man einen hervorragenden Blick in das Umland, kann aber auch direkt auf das Schloss Prösels hinunterblicken.

St. Nikolaus-Kirche

Die Kirche von Prösels ist die St. Nikolaus-Kirche, eine Filialkirche der Völser Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Die St. Nikolaus-Kirche befindet sich südlich vom Schloss Prösels und liegt etwa auf der gleichen Höhe wie der Pulverturm.

Die Kirche wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet und erstmals im Jahr 1357 urkundlich erwähnt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts – etwa um das Jahr 1525 – wurde die Kirche umgestaltet. Im Rahmen dieser Umgestaltung entstand das Langhaus.

Der Altar in der Kirche ist relativ schlicht gehalten. So besteht dieser aus dem Altartisch, hinter dem ein großes Kreuz mit Jesus Christus aufragt. Sehenswert in der St. Nikolaus-Kirche ist die über dem Altar befindliche wunderschön bemalte Apsis. Die Gewölbefresken sind etwa um das Jahr 1430 entstanden. Hier wird die Krönung Marias gezeigt, die von den Hieronymus, Augustinus, Gregorius und Amrosius umgeben ist. Am unteren Rand der bemalten Apsis wurden törichte Jungfrauen und die weiblichen Heiligen gemalt. Unter anderem ist hier die Heilige Apollonia, die Patronin gegen Zahnschmerzen zu sehen, wie sie mit einer Zange in der Hand einen Zahn hält.

Wie dem an der Kirche angebrachten Informationsschild zu entnehmen ist, befinden sich die Reste eines spätgotischen Flügelaltars im Pfarrmuseum von Völs.

P.S.: In Tisens, der Fraktion von Kastelruth, befindet sich ebenfalls eine St. Nikolaus-Kirche.

Ausgangspunkt für Wanderungen

Prösels eignet sich hervorragend für Wanderungen in die umliegende Umgebung. So kann man von Prösels aus beispielsweise auf die Völsegg-Spitz wandern. Der beliebteste und bekannteste Wanderweg, der in Prösels seinen Ausgangspunkt hat, ist der Oachner Höfeweg. Dieser zählt nicht nur zu den bekanntesten Wanderwegen von Prösels, sondern des gesamten Gemeindegebietes von Völs am Schlern.

Beim Oachner Höfeweg handelt es sich um einen Rundweg, der an zahlreichen Höfen, unter anderem auch in den Völser Fraktionen Prösler Ried, Unteraicha und Völser Aicha, St. Kathrein vorbeiführt. Am Scheitelpunkt des Höfeweges in St. Kathrein führt der Weg über das Schnaggenkreuz (früherer Name: „Malfesink“) wieder nach Prösels zurück. Auf diesem Wegabschnitt bietet sich dem Wanderer ein hervorragendes Panorama, welches unter anderem durch die Fraktionen Ober- und Untervöls, Peterbühel und Ums gebildet wird.

Der Name „Oachner Höfeweg“ entstand durch das Wort „Oacha“. Oacha wiederum sprechen die Einheimischen hier ihren Ort Völser Aicha aus.

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