Die Seiser Alm

Die Seiser Alm – größte Hochalm Europas

Die Seiser Alm in Südtirol ist die größte Hochalm Europas. Doch nicht nur die Größe machen die Seiser Alm und das umliegende Schlerngebiet mit den Hauptorten Kastelruth, Seis und Völs am Schlern zu einem beliebten Ferienziel. Vor allem die Dolomiten, die die Seiser Alm begrenzen, machen die Königin der Hochalmen mit ihren schier grenzenlosen Möglichkeiten für alpine Freizeitaktivitäten zu einem Eldorado zu jeder Jahreszeit.

Auf Italienisch wird die Seiser Alm „Alpe di Siusi“ und auf Ladinisch, der dritten Landessprache, die in Südtirol gesprochen wird, „Mont Sëuc“ bezeichnet.

Daten und Fakten zur Seiser Alm

Bei der Seiser Alm handelt es sich um eine von insgesamt zwölf Fraktionen der Marktgemeinde Kastelruth. Von den knapp 6.500 Einwohnern der Gemeinde Kastelruth wohnen 171 Einwohner (Stand 31.12.2010) in der Fraktion bzw. auf der Seiser Alm.

Die Seiser Alm hat eine Größe von etwa 56 km², erstreckt sich auf einer Höhe zwischen 1.680 Metern und 2.350 Metern über dem Meeresspiegel, bietet im Sommer Wanderwege mit einer Gesamtlänge von zirka 350 Kilometern und im Winter geräumte Wanderwege mit einer Gesamtlänge von zirka 35 Kilometern an. Im Winter finden die Wintersportler auf der Seiser Alm, die zum Skigebiet Gröden – Seiser Alm gehört, bestens präparierte Pisten vor. Langläufern werden hervorragend präparierte Loipen mit einer Gesamtlänge von etwa 60 Kilometern geboten.

Begrenzt wird die Seiser Alm im Südosten durch den Schlern mit der Santner- und Euringerspitze. Weiter östlich befinden sich die Roterdspitze und der Molignon, der eigentlich schon zur Rosengartengruppe gehört, und die Rosszähne. Das Bild im Osten der Seiser Alm wird durch den unverwechselbaren Lang- und Plattkofel geprägt.

Geschichte und Natur

Auf der Seiser Alm sind einige Informationstafeln aufgestellt, die über die Geschichte der heute weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannten Hochalm informieren. Nach den hier nachzulesenden Informationen standen einst dichte Nadelwälder auf der Seiser Alm die vor etwa 800 Jahren gerodet wurden. Nachdem sich die Eismassen vor zirka 15.000 Jahren auf der Seiser Alm zurückgezogen haben, nahm der Fichtenwald eine große Fläche ein. Heute befinden sich nur noch im Rand- und Grabenbereich der Seiser Alm Fichtenwälder, die ein Überbleibsel der damaligen dichten Wälder sind. Durch die Rodung entstanden dann die Wiese- und Weideflächen, wie sie noch heute vorhanden sind und vorgefunden werden.

Urkundlich wurde die Seiser Alm erstmals Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnt. Schon im Jahr 1480 gab es die erste Rechtsordnung, wie die Alm genutzt werden kann. Diese Rechtsordnung regelte die Beweidung, die Bewirtschaftung und die Nutzung der Bergwälder und wurde „Castelrutterische Seiser-Albn-Zetl“ genannt. Die Almwirtschaftsordnung wurde im Laufe der Zeit immer wieder ergänzt und erweitert und später sogar von Karl VI., dem Habsburger Kaiser, bestätigt.

Die touristische Erschließung der Seiser Alm hat Anfang des 20. begonnen. Besonders ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als mit dem Bau von Aufstiegsanlagen gestartet wurde, war die touristische Erschließung im vollen Gange. Diese touristische Erschließung stellte für die Seiser Alm eine große Bedrohung dar. Die bis dahin nahezu unberührte Natur wurde durch den Bau von Aufstiegsanlagen und von Gastbetrieben mit der einhergehenden intensiven Nutzung stark in Mitleidenschaft gezogen. Dies nahmen die Verantwortlichen seinerzeit bereits zum Anlass, der zunehmenden Ausbeutung entgegenzuwirken und gründeten den Naturpark Schlern. Der westliche Teil der Seiser Alm gehört seitdem zusammen mit dem Schlern, der das Wahrzeichen von Südtirol darstellt, seit dem Jahr 1974 zu diesem Naturpark Schlern. Dieser Naturpark wurde im Jahr 2003 um das Gemeindegebiet von Tiers am Rosengarten und das Tschamintal erweitert und ist seitdem der „Naturpark Schlern-Rosengarten“.

Auch heute werden die touristischen Einrichtungen der Seiser Alm kontinuierlich modernisiert und teilweise erweitert. Dass der weiteren touristischen Erschließung bzw. weiteren Bautätigkeiten Grenzen gesetzt werden, wurden strenge Vorschriften erlassen. Zudem wurde die Bürgerinitiative Pro Seiser Alm gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Bautätigkeiten, die Verbauung und den Verkehr auf der Seiser Alm zu stoppen bzw. zu reduzieren.

Die Regionen der Seiser Alm

Die Seiser Alm selbst ist in verschiedene Regionen eingeteilt, die folgend näher beschrieben werden. Die Regionen sind – vom Compatsch beginnend – im Uhrzeigersinn aufgezählt.

Compatsch

Das wohl bedeutendste Gebiet – die bedeutendste Zone – der Seiser Alm ist der Compatsch (wird teilweise auch Kompatsch geschrieben). Der Compatsch ist der westlichste Rand der Seiser Alm. Hier hat die Seiser Umlaufbahn, welche die Gäste des Schlerngebietes von der Talstation in Seis am Schlern auf die Seiser Alm befördert, ihre End- bzw. Bergstation. Schon seit Jahrzehnten befindet sich am Compatsch ein großer Parkplatz, welcher mehreren tausend Autos und Bussen Platz gibt. Seit der Eröffnung der Seiser Umlaufbahn im Jahr 2003 wurde der private Auto- und Busverkehr auf die Seiser Alm stark reglementiert.

Dadurch, dass die Seiser Almbahn als der Touristen-Hauptzubringer der Seiser Alm ihre Bergstation am Compatsch hat, konzentriert sich sämtlicher Fremdenverkehr in diesem Gebiet. Von hier aus starten die Feriengäste ihre Tagesausflüge auf die Seiser Alm. Der Compatsch ist damit das mit Abstand am stärksten frequentierte Gebiet der gesamten Seiser Alm. Um die Bergstation herum entstand im letzten Jahrzehnt eine starke Bautätigkeit; so wurde hier ein Nordic Ski-Center, einige gastronomische Betriebe aber auch ein größerer Hotelkomplex errichtet. Ebenfalls befinden sich am Compatsch das Touristen-Informationsbüro, das Feuerwehrhaus und seit dem Jahr 2009 mit der Franziskuskirche sogar eine Filialkirche der Pfarrkirche Kastelruth. Für so manchen Natur und Ruhe Suchenden ist der Compatsch mit dem geschäftigen Treiben eher ein abschreckendes Beispiel dafür, die Seiser Alm zu besuchen. Dennoch muss festgehalten werden, dass sich die Besucher auf der Seiser Alm verteilen und damit die Alm zu dem werden lassen, wie sie in den Werbeprospekten beschrieben wird.

Spitzbühl

Südlich vom Compatsch, aber noch an der Westseite der Seiser Alm befindet sich der Spitzbühl. Der Spitzbühl ist vor allem bei all jenen bekannt, die mit dem Paraglider (Gleitschirm) oder mit dem Drachen fliegen oder ein Freund und Fan des Modellflugs sind.

Die Hänge des Spitzbühls bieten optimale Bedingungen, was die Thermik anbelangt. Die Thermik, die vor allem in den Monaten Mai und Juni und hier zwischen 13:00 Uhr und 14:00 Uhr am besten ist, hat den Spitzbühl zu einem bekannten und beliebten Treffpunkt für alle Flugfreunde werden lassen.

Wer nicht selbst einen Paraglider fliegen kann und darf, für den werden sogenannte Tandemflüge angeboten. Ein professioneller Pilot lenkt den Paraglider und der „Fluggast“ kann während des Fluges die Seiser Alm und die Dolomiten, allen voran den Schlern, von der Vogelperspektive genießen.

Auch unter den Modellfliegern ist die Thermik einer der wichtigsten Bausteine, damit sie ihr Hobby bestens ausüben können. Unter den Modellfliegern ist die Seiser Alm und hier speziell der Spitzbühl eines der bekanntesten und beliebtesten Fluggebiete von ganz Südtirol. In eine Liste, die am Spitzbühl aushängt, kann man sich zur Frequenzkontrolle eintragen.

Auf den Spitzbühl hinauf läuft man entweder über den Weg vom Gasthof – Albergo Frommer (befindet sich etwas unterhalb vom Compatsch). Alternativ kann man den Sessellift nutzen. Direkt an der Talstation des Spitzbühl-Sesselliftes befindet sich ein Restaurant, von dessen Terrasse ein traumhafter Blick auf das Schlernmassiv möglich ist.

Joch

Das Gebiet zwischen Spitzbühl und Tschapit bezeichnet man Joch. Vom Joch aus hat man meist eine wunderbare Aussicht auf die Seiser Alm, da das gesamte Jochgebiet erhöht ist. So befindet sich am Joch die Bergstation des Panoramaliftes und das gleichnamige Restaurant und Alpenhotel Panorama. Dieses befindet sich auf einer Höhe von 2.011 Metern über dem Meeresspiegel. Nicht umsonst nennt sich das Restaurant „Panorama“. Von hier aus hat man das gesamte Rosszähne- und Schlernmassiv vor sich.

Am Joch befindet sich aber auch die Laurin-Hütte (2.018 Meter über dem Meeresspiegel), die im Sommer ein beliebtes Wanderziel für alle ist, die das Schlernmassiv in vollen Zügen genießen möchten. Vor allem im Winter herrscht bei der Laurin-Hütte Hochkonjunktur. Denn von hier aus führt die Laurin-Piste den Hang hinunter. Über den Laurin-Lift, der seine Talstation etwas unterhalb des Compatsch hat, kann man direkt die Laurin-Hütte erreichen (die Bergstation des Laurin-Liftes befindet sich nur wenige Meter von der Laurin-Hütte entfernt).

Tschapit

Das Gebiet an der südwestlichen Grenze der Seiser Alm wird „Tschapit“ bezeichnet. In diesem Gebiet fällt das Gelände in Richtung Süden ab und die Felswände des Schlern begrenzen dieses Gebiet zwischen Tschapit und dem Schlern. Das Tschapitgebiet wird vom Schlern durch den Frötschenbach geteilt. Wer über den Touristensteig die Schlernhäuser erreichen möchte, kommt über dieses Gebiet an den Beginn des serpentinenartigen Weges. Die bekannteste Hütte am Tschapit ist die Saltner Hütte (die letzte Tankstelle vor dem Schlern, worauf diese auf einem ihrer Schilder die Wanderer hinweist).

Saltria

Saltria ist neben dem Compatsch die zweite Ortszone der Seiser Alm. Diese liegt etwa fünf Kilometer östlich des Compatsch auf einer Höhe von 1.680 Metern über dem Meeresspiegel.

Hartl

Nördlich von Saltria befindet sich der Hart bzw. die Hartl Alm, deren höchster Punkt eine Höhe von 1.839 Meter über dem Meeresspiegel hat. Die Hartl Alm ist ein eher unbekanntes Gebiet der Seiser Alm und daher ein Insidertipp, diese zu besuchen. Vom Hartl aus hat man einen schönen Blick auf den Lang- und Plattkofel, aber auch auf den Sass Rigais und die Fermada.

Am meisten ist der Hartl bei den Langläufern bekannt. Die Hartl-Piste hat eine Länge von elf Kilometern und einen mittleren Schwierigkeitsgrad. Teils führt die Piste durch die verschneiten Nadelwälder und führt über die Ritsch-Schwaige wieder zurück zum Compatsch.

Monte Pana

Östlich vom Hartl befindet sich das Gebiet „Monte Pana“. Dieses Gebiet gehört zwar nicht mehr direkt zur Seiser Alm, doch der Übergang von der Seiser Alm nach Monte Pana ist für die Besucher nicht genau feststellbar. Monte Pana gehört bereits zur Gemeinde St. Christina im Grödner Tal und liegt zwischen einer Höhe von 1.600 und 1.800 Metern über dem Meeresspiegel.

Vor allem bei den Wintersportlern ist der Monte Pana bekannt, da er den Skifahrern als Ausgangspunkt ihrer Skitouren dient. Zum einen besteht eine Verbindung auf die Seiser Alm, zum anderen aber auch zur Sellaronda. Ebenfalls befinden sich am Monte Pana das Langlaufzentrum St. Christina, welches im Jahr 2007 eröffnet wurde, und eine Sprungschanze.

Piz/Monte Piz

Der Piz befindet sich zentral an der Nordseite der Seiser Alm. Darunter befindet sich in südlicher Richtung der Monte Piz. Die Bergstation der Umlaufbahn, die vom Grödner Tal auf die Seiser Alm führt, befindet sich am Piz. Bei der Umlaufbahn handelt es sich – neben der Seiser Umlaufbahn – um eine weitere Seilbahn, mit der die Besucher die Seiser Alm erreichen können. Die Talstation befindet sich in St. Ulrich im Grödner Tal. Die roten Kabinen der Umlaufbahn tragen – und hier merkt man auch, dass das Grödner Tal noch sehr von der ladinischen Sprache geprägt ist – den ladinischen Namen der Seiser Alm „Mont Sëuc“. Direkt an der Bergstation der Umlaufbahn befindet sich ein Restaurant mit einer wunderbaren Terrasse, die einen hervorragenden Blick über die Seiser Alm ermöglicht. Die Bergstation befindet sich auf einer Höhe von 2.000 Metern über dem Meeresspiegel.

Puflatsch

Der Puflatsch bzw. die Puflatschalm zählt zu den bekanntesten Gebieten der Seiser Alm. Dieser befindet sich vom Compatsch aus gesehen in nördlicher Richtung und erstreckt sich bis auf eine Höhe von 2.174 Meter über dem Meeresspiegel. Die Hänge des Puflatsch erstrecken sich bis hinunter nach Pufels und Runggaditsch, beides Fraktionen der Marktgemeinde Kastelruth. Nördlich des Puflatsch befindet sich St. Ulrich im Grödner Tal.

Wer eine Wanderung auf die Seiser Alm unternehmen möchte, im Rahmen derer eine wunderbare Aussicht auf Kastelruth und das Grödner Tal genossen werden kann, für den kommt nur der Puflatsch in Frage. Denn der Rundweg bietet hervorragende Blicke in das Tal. So kann man beispielsweise vom Filln-Kreuz (2.130 Meter über dem Meeresspiegel) in das gesamte Grödner Tal mit den Orten St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein blicken. Ein Highlight des Puflatsch sind die bekannten Hexenbänke, voluminöse Basaltsäulen aus Augitporphyr. Über diese weiß der Volksmund zu erzählen, dass diese der Sammelplatz der Hexen sind, die sich nachts hier versammeln.

Als bekannte Einkehrmöglichkeiten auf dem Puflatsch ist das Puflatsch-Restaurant, die Puflatsch-Hütte und die Arnika-Hütte zu nennen. Mit der Engelsrast befindet sich auf dem Puflatsch eine weitere Aussichtsplattform, von der aus man die Blicke nicht nur zu den Dolomiten schweifen lassen kann, die sich direkt bei der Seiser Alm befinden. Von hier aus hat man bei schönem Wetter eine hervorragende Aussicht auf weite Teile der Südtiroler Bergwelt.

Auf den Puflatsch (Bergstation befindet sich am Puflatsch-Restaurant) fährt eine moderne Seilbahn, die im Jahr 2009 komplett erneuert wurde und ihre Talstation in der Nähe der Bergstation der Seiser Umlaufbahn hat.

Autor: Helmut Göpfert

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