Ladinien

Das Grödner Tal gehört zu Ladinien

Sucht man in der offiziellen Liste der Staaten unserer Erde, findet man das Land „Ladinien“ nicht. Dennoch existiert dieses „inoffizielle“ Land im nördlichen Italien, vorwiegend in Südtirol. Auch das Grödner Tal, welches sich am nördlichen Rand der Seiser Alm erstreckt, gehört zu Ladinien. Die Fraktionen Überwasser, Pufels und Runggaditsch der Marktgemeinde Kastelruth sind ladinische Ortschaften.

Ladinien liegt inmitten der majestätischen, von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannten Dolomiten. Auch wenn es sich bei Ladinien um keinen offiziellen Staat bzw. kein offizielles Land handelt, pflegen die Menschen seit zwei Jahrtausenden hier ihre eigene Sprache und Tradition.

Heute werden noch etwa 30.000 Ladiner gezählt, die in insgesamt fünf Tälern leben. Die Täler erstrecken sich sternförmig vom bekannten Sella-Massiv in alle Himmelsrichtungen. Eines davon ist das Grödner Tal, welches sich nordwestlich vom Sella-Stock mit seinen Ortschaften Wolkenstein, St. Christina und St. Ulrich erstreckt. Das Gadertal erstreckt sich im Nordosten, das Buchensteintal im Südosten, das Fassatal im Südwesten und das Boitetal im Osten des Sella-Massivs.

Die Fahnen der Ladiner sind blau-weiß-grün gestreift, wobei die Farbe Blau für den Himmel, die Farbe Weiß für die schneebedeckten Berge und die Farbe Grün für die grünen Wiesen steht. Ladinien erstreckt sich über eine Fläche von zirka 1.300 Quadratkilometern.

Die Geschichte der Ladiner

Dass die Ladiner auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken, ist den wenigsten bekannt. Schon in der Bronzezeit gab es die ersten Siedlungen im heutigen Ladinien. Diese Gebiete wurden im Laufe der Jahrhunderte immer weiter besiedelt mit der Folge, dass die verschiedenen Völker im 5. Jahrhundert vor Christus schon eine sehr hohe Kulturstufe erreicht hatten.

Einst war das Gebiet der Ladinier sehr groß. Es erstreckte sich von Norden von der Donau bis zum Gardasee im Süden und von Westen vom St. Gotthardspass bis nach Triest im Osten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Ladinien mit Südtirol Italien zugeordnet. Die ladinischen Täler wurden von den Faschisten auf die Provinzen Südtirol, Belluno und Trient aufgeteilt. Die Faschisten wollten die Identität der Südtiroler und der Ladiner auslöschen und das Gebiet italienisieren. Als im Jahr 1946 das Pariser Friedensabkommen vereinbart wurde, wurde eine Art Autonomiestatut für die ladinische und deutsche Minderheit vereinbart. Noch heute „kämpfen“ die Bewohner dafür, dass ihre ladinischen Wurzeln erhalten bleiben und versuchen ihre Sprache und Traditionen am Leben zu erhalten. Aufgrund der Historie ist der Kampf um die Identität, die Sprache und Tradition noch heute spürbar und sehr ausgeprägt.

Die ladinische Sprache

Wer heute in das Land der Ladiner kommt, wird schon anhand der Ortsschilder feststellen, dass es sich hier um ein besonders Gebiet von Südtirol handelt. Auf den Schildern werden die Namen nicht nur, wie in Südtirol üblich, in Deutsch und Italienisch ausgewiesen, sondern auch in Ladinisch.

Die ladinische Sprache hat ihren Ursprung im Lateinischen; es handelt sich um eine romanische Sprache. Heute wird es neben Ladinien auch noch im Friaul und in Teilen Graubündens gesprochen. Während die ladinische Sprache während der Völkerwanderung immer weiter zurückgedrängt wurde, setzten sich unter anderem Slawisch, Bairisch und Alemannisch nach und nach durch.

Die Tradition

Kommt man heute nach Ladinien und unterhält man sich mit Einheimischen, kann man deren Traditionsbewusstsein förmlich spüren. Die Ladiner sind stolz auf ihre Tradition, auf ihre Gastfreundschaft, auf ihre Form der Landwirtschaft und auf ihre Tüchtigkeit. Sie tun alles dafür, dass ihre Tradition und ihre Bräuche weiterleben und zelebrieren diese weiterhin auf religiösen Feiern und auf Hochzeiten.

Eine Tradition der Ladiner ist dadurch entstanden, dass es sich bei dem Volk um begnadete Handwerker handelt. Vor allem in den Wintermonaten, wenn in der Landwirtschaft nur sehr wenig zu tun war, suchten sich die Ladiner weitere Einnahmequellen. Und so entwickelte sich im Grödner Tal die Holzschnitzkunst. Allen voran die sakrale Holzschnitzerei und die Fertigung von Holzspielzeug machte Gröden weltbekannt. Aber auch die anderen Täler Ladiniens konzentrierten sich auf ein spezielles Handwerk. Im Buchensteintal entstand die Kunst des Schmiedens, im Fassatal der Beruf des Dekorationsmalers zur Verzierung von Stuben und Möbel und im Gadertal wurden Truhen hergestellt. Mit dem Gadertal spielte auch die Kunstweberei eine bedeutende Rolle. Die Handwerkskünste der Ladiner brachten auch einen gewissen Wohlstand mit sich.

Die heutige Urlaubsregion

Die Gastfreundschaft der Ladiner, die diese seit jeher prägt, machte auch aus den Tälern eine bis heute beliebte Urlaubsregion im nördlichen Italien. Die Anfänge des Tourismus gehen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Um etwa 1850 kamen zunächst gut situierte Urlauber in die höher gelegenen Regionen, um hier die Sommerfrische zu genießen. Später konnten sich auch Familien einen Urlaub leisten, wobei diese auf das Angebot an Zimmern zurückgreifen konnten, welches die Frauen der Bergbauern zur Verfügung stellten.

Noch heute ist der Tourismus in Ladinien ungebrochen hoch und die Haupteinnahmequelle der Bewohner der ladinischen Täler. Im Grödner Tal spielt vor allem der Wintertourismus eine bedeutende Rolle. Mit dem einmaligen Skigebiet der Sella-Ronda steht den Wintersportlern ein schier grenzenloses Skigebiet in der einmaligen und traumhaften Welt der Dolomiten zur Verfügung.

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