Sankt Ulrich Südtirol

Sankt Ulrich im Grödner Tal, Südtirol

Das Grödner Tal erstreckt sich nördlich der Seiser Alm, der höchsten Hochalm Europas, und liegt damit inmitten der westlichen Dolomiten. Einer der drei Hauptorte des Grödner Tals ist die Gemeinde Sankt Ulrich (auf Italienisch: „Ortisei“, auf Ladinisch „Urtijëi“).

Inmitten der naturgewaltigen Landschaft liegt die Gemeinde Sankt Ulrich in dem in ost-westliche Richtung verlaufenden Grödner Tal etwa in der Mitte. Obwohl St. Ulrich geographisch im Grödner Tal liegt, gehört die südliche Tal- bzw. Gemeindeseite, südlich des Grödner Bachs, mit den Ortschaften Überwasser, Runggaditsch und Überwasser zur Marktgemeinde Kastelruth im Südtiroler Schlerngebiet.

St. Ulrich im Grödner Tal hat etwa 4.700 Einwohner, wobei ein Großteil der Einheimischen hier noch Ladinisch als Muttersprache hat. Mit knapp 85 Prozent stellt diese Sprachgruppe den größten Anteil der Einwohner, während „nur“ etwa neun Prozent Deutsch und etwa sechs Prozent Italienisch als Muttersprache haben. Urlaubsgäste und Besucher müssen sich im Grödner Tal allerdings keine Sorgen hinsichtlich Verständigungsschwierigkeiten machen; die Einwohner hier beherrschen neben ihrer Muttersprache auch noch die anderen zwei Sprachen, welche hier gesprochen werden.

Das Gemeindegebiet von St. Ulrich erstreckt sich auf einer Höhe von 1.125 Metern bis auf eine Höhe von 2.518 Metern über dem Meeresspiegel. Das Ortszentrum liegt auf einer Höhe von 1.236 Metern über dem Meeresspiegel.

Sehenswertes in St. Ulrich

Pfarrkirche St. Ulrich

Direkt im Ortszentrum befindet sich die Pfarrkirche St. Ulrich, welche sich im klassizistischen Baustil zeigt. Der Glockenturm wurde im barocken Stil errichtet.

Erbaut wurde die Pfarrkirche in der Zeit von 1792 bis 1796, die Weihung erfolgte durch den Brixner Bischof Karl Franz von Lodron. Neben dem Heiligen Ulrich von Augsburg ist die Pfarrkirche auch der Erscheinung des Herrn geweiht worden. In den Jahren 1905 bis 1907 wurde die Kirche um zwei Seitenschiffe erweitert. Das Kirchendach, wie es sich heute zeigt, stammt aus dem Jahr 1983. In diesem Jahr wurde die Kirche umfangreich restauriert, wobei das 1.600 Quadratmeter große Dach Schindeln aus Lärchenholz erhielt.

Wer die Möglichkeit hat, die Kirche von innen zu besichtigen, sollte diese wahrnehmen. Zahlreiche Baumeister und Künstler haben mit ihren Werken die Kirche zu einem sehenswerten Kunstwerk gemacht. So wurden beispielsweise die drei Kuppeln des Hauptschiffs und die Kuppel des Vorbaus von Franz Xaver Kirchebener, einem akademischen Maler, und seinem Bruder Josef ausgemalt. Die Seitenkapellen wurden 1985 und 1986 durch Sebastian Pfeffer mit Fresken versehen. Sehenswert in der Kirche sind die bemalten Fenster. Diese zeigen die zwölf Aposteln. Der Heilige Johannes der Täufer und die Heilige Anna werden in der Herz-Jesu-Kapelle und Jesus und Maria in der Rosarikapelle auf den Fensterbildern gezeigt.

Sehenswert ist auch die 2.000 Pfeifen umfassende Kirchenorgel, welche erst im Jahr 2010 fertiggestellt wurde

Museum Gherdëina

Im Museum Gherdëina – Museum Gröden wird Interessierten vieles über das Grödner Tal gezeigt. Über zwei Stockwerke hinweg werden in dem bereits im Jahr 1960 eröffneten Museum eindrucksvolle Einblicke in die Geschichte des Grödner Tals gegeben. Neben archäologischen Funden aus den Dolomiten und ansehnlichen Skulpturensammlungen werden in dem Museum auch Gemäldesammlungen von Grödner Kunstmalern gezeigt.

Auch Luis Trenker, der aus dem Grödner Tal stammende Bergfilm-Regisseur und Schauspieler, nimmt im Museum Gherdëina seinen Platz ein. Von ihm werden seit dem Jahr 1990 eine Gedenksammlung mit vielen persönlichen Gegenständen und Dokumente seines künstlerischen Schaffens gezeigt.

Ebenfalls werden in dem Museum vor- und frühgeschichtliche Sammlungen gezeigt, im Rahmen derer unter anderem der eisenzeitliche Fundkomplex von Col de Flam zu sehen ist. Auch der Fund des Ichthyosaurus von der Seceda wird in dem Museum ausgestellt.

Das Museum Gherdëina befindet sich ebenfalls im Ortszentrum von St. Ulrich.

Holzschnitzkunst

Dass die Holzschnitzkunst eng mit dem Grödner Tal und damit auch mit St. Ulrich verbunden ist, bleibt bei einem Spaziergang durch den Ort nicht verborgen. Hier sind zahlreiche Geschäfte zu finden, welche ihre Holzschnitzkunst zum Verkauf anbieten. Von Statuen, Krippen bis hin zu holzgeschnitzten Bildern ist hier alles zu finden, was das Grödner Tal weltweit bekannt gemacht hat.

UNIKA

In Runggaditsch (gehört zur Marktgemeinde Kastelruth), einem Ortsteil von St. Ulrich, befindet sich die Ausstellung UNIKA. Hier zeigen Holzbildhauer, Verzierungsbildhauer, Fassmaler und Vergolder ihre einzigartigen Werke. In den großzügig angelegten Ausstellungsräumen kann man die Einzelstücke, von denen es – wie der Name der Ausstellung bereits versichert – kein zweites Stück gibt, in Ruhe bestaunen.

Näheres kann unter UNIKA nachgelesen werden.

Luis-Trenker-Denkmal

An der Luis-Trenker-Promenade befindet sich ein Denkmal, welches für den wohl bekanntesten Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller aus dem Grödner Tal errichtet wurde.

St. Jakobskirche

Mit der Sankt Jakobskirche (auf Ladinisch: „dlieja da Sacun”) befindet sich in St. Ulrich ein weiteres Gotteshaus, welches allerdings nur zu Fuß erreicht werden kann. Am Wegesrand des „Troi Paian“, eines uralten Weges, der einmal über die Dolomitenpässe und das Grödner Tal vom Venezianischen kommend in das Eisacktal führte, wurde die St. Jakobskirche erbaut. Spezialisten gehen aufgrund der romanischen Bausubstanz davon aus, dass die Anfänge der Kirche bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen. Daher handelt es sich hier wohl um die älteste Kirche des Tales, welches dem Heiligen Jakob, dem Beschützer der Wanderer und Pilger, geweiht wurde.

So wie sich die Kirche heute noch zeigt, geht jedoch auf die Gotik zurück, welche man auch, neben dem Barock, im Kircheninneren sieht.

Der Hochaltar ist ein Kunstwerk der Bildschnitzkunst, wie man sie nur im Grödner Tal vorfindet. Der Altar hat geschwungene Säulen. Vergoldete Figuren von Aposteln, Engeln und Kirchenfürsten verzieren den Altar.

Bei den in der Kirche befindlichen Skulpturen und Kunstgegenständen handelt es sich allerdings nur um Nachbildungen von ortsansässigen Schnitzern. Die Originale befinden sich im Museum Gherdëina und können in dem sehenswerten Museum besichtigt werden.

Die Holzschnitzerei in St. Ulrich

Das Grödner Tal wurde vor allem durch seine Holzschnitzerei weltweit bekannt. Wer nach St. Ulrich kommt, wird sehr schnell feststellen, dass das Kunsthandwerk des Holzschnitzens in der Gemeinde eine wesentliche Rolle spielt. Vor allem im Ortszentrum sind zahlreiche Läden, welche holzgeschnitzte Sachen, von Figuren über Grippen und Kruzifixen bis hin zu Bildern, anbieten. Und nicht selten verlässt ein Gast dieses Gebiet und nimmt sich als Erinnerung solch ein holzgeschnitztes Kunstwerk mit nach Hause.

Die Holzschnitzkunst hatte schon vor einigen Jahrhunderten im Grödner Tal begonnen. In der kalten und dunklen Jahreszeit, wenn es keine Arbeit auf den Feldern und in der Landwirtschaft gab, widmeten sich die Bewohner der Herstellung von hölzernen Gegenständen. Das Handwerk wurde immer weiter perfektioniert, bis die Palette der holzgeschnitzten Gegenstände ihren Siegeszug in die Welt antrat und das Grödner Tal weltbekannt gemacht hat.

St. Ulrich und der Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr in St. Ulrich begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. Im ausgehenden 19. Jahrhundert bekam der Tourismus durch Emil Terschak eine größere Bedeutung. Emil Terschak wohnte in den Jahren von 1893 bis 1900 in St. Ulrich und machte sich vor allem für den Winter-Tourismus stark.

Heute finden Gäste in St. Ulrich ein breitgefächertes Angebot an Urlaubsdomizilen in sämtlichen Preisklassen in St. Ulrich vor. Im Sommer kommen Wanderer und Kletterer auf ihre Kosten, die in den umliegenden Dolomiten ein wahres Paradies vorfinden. Direkt von St. Ulrich (Überwasser) führt eine Umlaufbahn auf die Seiser Alm, die höchste Hochalm Europas. Im Winter haben die Wintersportler in den vor der Haustüre befindlichen Dolomiten und dem Skigebieten von Dolomiti Superski die Anbindung an Italiens größtes Skigebiet. Das Skigebiet bietet insgesamt 345 Pistenkilometer und zählt damit zum drittgrößten zusammenhängenden Skigebiet der Welt.

Woher der Name der Gemeinde kommt

Der deutsche, italienische und ladinische Ortsname von St. Ulrich haben unterschiedliche Ursprünge.

Die deutsche Bezeichnung „St. Ulrich“ hat in der katholischen Pfarrei ihren Ursprung. Die Pfarrei ist dem Heiligen Ulrich geweiht und dieser ist gleichzeitig der Schutzpatron der Gemeinde.

Die italienische Bezeichnung „Ortisei“ und die ladinische Bezeichnung „Urtijëj“ gehen auf das Siedlungszentrum „Ortiseyt“ zurück. Hier gab es bereits im 13. Jahrhundert einen Meierhof, welcher später auch unter dem Namen Mauriz in den Urkunden erscheint und heute zu den ältesten Hotels im Grödner Tal zählt.

Geschichte von St. Ulrich

Die Geschichte von St. Ulrich ist seit Jahrhunderten durch die Holzschnitzerei geprägt. Während die Einheimischen in den Sommermonaten in der Landwirtschaft tätig waren, wurde die kalte und dunkle Jahreszeit mit handwerklichen Tätigkeiten „ausgefüllt“. Die Grödner und damit die Einwohner von St. Ulrich hatten sich der Holzschnitzkunst verschrieben und diese immer weiter perfektioniert, sodass diese nun weltweit bekannt ist.

Neben der Landwirtschaft hatte sich der Fremdenverkehr ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt und ist heute die Einnahmequelle Nummer eins bei der Bevölkerung.

Weltweites Interesse zog der Ort im Grödner Tal auch auf sich, als im Jahr 1970 die alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Ulrich ausgetragen wurden.

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